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Eine schier unglaubliche Story...

...über die Probleme meines Motorrads von 1991 bis heute. Dramatik pur!
Wobei aber unter 'Dramatik' nicht nur Tiefen zu verstehen sind, sondern durchaus auch Höhen:
Eine Berg- und Talfahrt meiner Emotionen schildere ich hier in einer langen Erzählung.

Oder gleich zu den Bildern und danach wieder zurück nach hier?

Zuvor aber:

Ein ernstes Vorwort für all diejenigen, die die Sprache verstehen wollen,
welcher sich motorisierte Zweiradfahrer der gehobeneren Klasse bedienen (Biker genannt)



Was ist ein Moped?


Der hier benutzte Ausdruck Moped oder auch Mopped bedeutet in der Bikersprache nichts anderes wie zum Beispiel Schatzi, Mausi, Schnucki, Kleines. Diese Verniedlichung einer menschlichen Partnerin ist fürwahr nicht gleichzusetzen mit kleiner Statur, wenig Power oder Ähnlichem!

Genau so ist es bei einem Motorrad: Auch ein noch so bulliges Gefährt mit vielleicht fünf Zenter Gewicht wird liebevoll Moped genannt; schwierig wird es dabei, dies einem Außenstehenden zu erklären, weil dieser tatsächlich ein kleines motorisiertes Zweirad darunter versteht und er damit eigentlich absolut recht hat:
Definition: Kurzwort aus "Motorrad" und "Pedal"; ein Kleinkraftrad also. Ein Moped eben.

Nur wir echten Biker können und dürfen es uns erlauben, unsere Kisten auf diese Art zu bezeichnen, ohne von Minderwertigskeitsgefühlen getroffen zu werden: Schließlich reiten wir ein Moped, und kein Moped!
Alles klar, soweit?

Zudem schildere ich hier etwaigen Außenstehenden, warum unser Gefährt mehrgeschlechtlich ist, jedenfalls, was die Bezeichnungen betrifft.

Völlig verwirrt war ich nämlich einmal, als meine neue Sozia an einem beliebten Ausflugsort im Odenwald mit mir eine Parade von Mopeds abschritt und meinte: "Deiner ist doch der schönste!"
Deiner??? Was meint die denn???

Jetzt begann ich zu erklären:

Ein Mopped (oder meinetwegen auch Motorrad) ist zwei- oder ungeschlechtlich: die, der, das!

Beispiele:

Hast du sie mal wieder geputzt, sie strahlt so! (Die Maschine, die Lady, die Kiste - im Slang auch die Huddl genannt). Außerdem heißt es immer: die Yamaha, die Suzuki, die Harley...
Mein Bock stottert beim Anlassen!
Das Moped dort hat einen geilen Auspuff.

Und nun, was ist ein Motorrad eigentlich? Wieder die, der, das:

Fast eine Freundin, fast ein bester Kumpel; manchmal auch ein blödes Biest. Aber immer Teil des Lebens eines echten Motorradfahrers.



Ob die, der oder das: Wir Biker werden angefeuert, wenn sich unser "Teil" auf Kurven freut und sich das Moped willig oder gar mutig durch Serpentinen schlängelt, allerdings mit Geschwindigkeiten, die einer Schlange völlig fremd sind. Oder aber auch dann, wenn die Hinterreifen dermaßen breit ausfallen, dass man eigentlich kaum Kurven räubern kann, sondern lieber - so gut es jedenfalls geht -  geradeaus fährt und dabei das mächtige Gedröhn seines Bocks der Umwelt auf die Ohren gibt.

Unser Adrenalin hat heftige Schwierigkeiten, uns zu kontrollieren: Der Rausch des Fahrens ist fast übermächtig. Egal, ob wir die unglaubliche Macht des Gasgriffs ausnutzen oder auch völlig entspannt durch idyllische Orte oder die Natur allgemein gondeln mit halb oder ganz geöffneten Visier.

Wir haben nämlich den enormen Vorteil, - gerade beim Gondeln -  dass wir unseren Geruchssinn beim Fahren mit in den Genuss einbinden können: Die Nase direkt am Wind bezieht uns ein in die Umgebung, die wir durchstreifen; wohl kein Autofahrer ist sich der Fahrtroute und der Umwelt so intensiv bewusst wie wir. Ein Biker ist mit seinem Gefährt ganz anders verbunden; wir sind irgendwie ein einziges Stück, und das Drumherum gehört auch noch dazu:

Straßen mitsamt jeder winzigen Erhebung oder Vertiefung erleben wir sehr direkt - das Mopped ist ein Teil von uns, oder wir von ihm. Landschaften sind dazu da, erfahren zu werden - in jeder Beziehung. Ob einer rast wie ein Irrer oder gemütlich herumschaukelt: Sonne, Wind und sonstiges Wetter sind uns dermaßen nahe, wie es sich nicht einmal ein Cabriofahrer zu erträumen wagt.

Die Natur ist jedem Zweiradfahrer auch in einer anderen Beziehung wesentlich näher als einem Autofahrer: Wer schon mal abgestiegen ist, weiß ein Lied über den Boden der Natur zu singen; sofern er noch kann.

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Das Grüßen unter Moppedfahrern

Wie sieht ein Gruß aus?

 Das V-Zeichen. Aus dem Lateinischen: vincere - siegen, aus dem Englischen: Victory - Sieg. Auch: Zeichen für Peace (Frieden)

Sehr wichtig dabei: Das V-Zeichen wird mit der linken Hand geformt! Die rechte wird schließlich für den Gasgriff und die Bremse gebraucht.
Die auf dem Bild gezeigte Version ist für Biker eher ungeeignet, da man sonst sehr wahrscheinlich ein Lied darüber singen kann, warum das so ist.

Wann und wie wird dieser Gruß benutzt?


Dieses Grüßen ist üblich unter Bikern, wenn man sich außerhalb eines Stadtkerns begegnet; jedenfalls face to face, also dann, wenn man sich gegenseitig entgegen kommt. Ein Entgegenkommen, das man auf mehrere Arten auslegen kann:


Innerhalb eine Stadt gilt:

Grüßen im Prinzip unüblich, weil man ständig auf die vielen anderen Leute achten muss, die sich einem oft in den Weg stellen; mit oder ohne Karosserie drumherum.

Aber:

Begegnet man sich - gegenüber - an einer roten Ampel, die einem die zweifelhafte Freude am Fahren zum Beispiel in der Rush Hour gerade verdirbt, so ist ein dezentes Nicken des behelmten Kopfes in Richtung des Stammesmitglieds angesagt, sofern man nicht über eine mehrspurige Fahrbahn hinwegnicken muss. Denn: Hundertfaches Nicken stört dabei nicht nur die Konzentration, sondern verursacht auch noch Verspannungen in der Genickgegend. Dieses Kopfzeichen besagt aber, dass man den Geistesbruder (oder auch die Geisterschwester) wahrgenommen hat und sich damit der Zugehörigkeit zu dieser Spezies bekennt.

Steht man an einer roten Ampel zufälligerweise nebeneinander, kann dieses Nicken auch schon mal ausarten: Man schaut sich kurz an, wobei durchaus auch lächelnde Augen hinter dem Visier gesehen wurden. Je nachdem, wie lange die Ampelphase dauert, ist ein Taxieren des anderen Moppeds auch mal drin; und je nachdem, wie das andere Mopped wahrgenommen wird, ist sogar ein nochmaliges Nicken möglich, wenn die Ampel auf Gelb springt und der Kupplungshebel bereit zum Loslassen ist - 'Dann mach's mal gut, Kollege!' heißt das dann.

Variationen des V-Grußes, meist außerhalb einer Stadt

Die übliche und absolut korrekte Form des Grüßens entstammt der Mitte der siebziger Jahre: Die linke Hand wird vom Lenker genommen und knapp über dem Griff das V-Zeichen geformt.

Seine momentanen Glücksgefühle kann der Fahrer dabei auch noch spezifizieren: Je höher die Hand gestreckt wird oder auch der Arm seitwärts zeigt (vorzugsweise nach links, nach rechts wäre echt ungeschickt), um so wohler fühlt man sich; oft genug wird dieses Empfinden vom anderen erwiedert, indem das zuerst normale V ebenfalls erweitert wird. Das heißt dann: 'Danke Kumpel für deine Emotionen! Mir gehts jetzt auch grad saugut!'

Ein hochgereckter Arm eines Entgegenkommenden auf mehrspurigen Bundesstraßen oder Autobahnen kommt zwar selten vor, drückt aber unbändige Freude aus, die man mit seinem Gegenüber teilen will! Da diese Art des Grußes weniger oft geschieht, reagiert der Gegrüßte meist zu spät oder gar nicht, was unbändige Trauer auslösen kann - bei beiden Moppedfahrern.

Die unterste Stufe des Grüßens stellt ein etwas hochgereckter Zeigefinger dar, ohne die Hand vom Lenker zu lassen. Dies kann diese Bedutung haben:
Der Fahrer ist genervt von der blöden Sitte der Grüßerei, aber doch wenigstens ein klein wenig höflich (betrifft meist Biker von sogenannten 'Joghurtbechern', also Maschinen mit einer Menge Plastik drumrum).

Zwischen diesen Variationen sind natürlich noch eine Menge anderer Ausdrucksweisen denkbar! Etwa in der Art, wie du morgens auf deiner Arbeitsstelle erscheinst und die Kollegen begrüßt: man sieht dir an, dass dies für dich ein Scheißmontag ist; dennoch hast du für die hübsche Kollegin von nebenan mindestens ein Lächeln übrig!

Die Sub-Variante des Grüßens besteht darin, gar nicht zu grüßen, ja, nicht einmal zu erkennen zu geben, dass der Entgegenkommende überhaupt vorhanden ist:

Das wird meist als Arroganz ausgelegt, kann aber auch bedeuten, dass der arme Fahrer ganz alleine ist in seiner eigenen Welt, ohne jegliches Zugehörigkeitsgefühl. Ein solcher Biker kann nicht einmal denken 'Lass mich in Ruhe, du Depp!', weil er den anderen ja gar nicht bemerkt.

Wird der eigene Gruß auf diese Art ignoriert, so schießt nicht nur ein Schimpfwort durchs Gehirn, sondern auch die Erkenntnis, dass dies ein Alien sein muss: nicht von meiner Art...

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Mischgruß

Es kann passieren, dass man den Gruß eines anderen nicht erwidern kann:

  •  Der Fahrer kann die Hand nicht mehr vom Lenker nehmen, weil er schon zu oft gegrüßt hat an diesem herrlichen Tag und der Arm lahm geworden ist; selbst der  Zeigefinger ist kraftlos geworden
  •  Man ist gerade in einem Schaltvorgang, bei dem ja bekanntermaßen die linke Hand zum Kuppeln gebraucht wird
  •  Die Hand sucht nach dem Geldbeutel, weil die Tankanzeige optisch schreit, dass das Benzin nicht mehr lange reicht
  •  Ähnliche momentane Handycaps sind leicht auszudenken...

In derartigen Fällen wird einem korrekten Moppedfahrer ganz kalt ums Herz: 'Jesses! Ich konnte nicht (zurück)grüßen! Nein, mein Unbekannter der mir gleichen Art: Ich bin kein Stoffel, auch kein Alien! Verzeih' mir, Kollege!'

Ein drastisches Szenario, das jedoch durch eine blitzschnelle Reaktion gelöst werden kann: Man nickt nicht nur dem Artgenossen zu, sondern verbeugt geradezu seinen Helm in seine Richtung!
Das bedeutet schlicht und einfach: 'Sorry Kumpel, ich kann grad nicht, siehe obige vier Punkte! Aber ich wünsche dir auch alles Gute!'

Üble Probleme beim Grüßen


Ein sehr ernstes Problem in Bezug auf das korrekte Grüßen stellen Motorroller oder echte kleine Mopeds mit Hubräumen schon ab 125 ccm dar!
Diese sind aufgrund ihrer Größe von vorne selbst von geübten Augen kaum noch von wirklichen Motorrädern zu unterscheiden. Erst im Vorbeifahren erkennt man seinen Fehler, aber dann ist es bereits zu spät. Und der kleine Mopedfahrer ist entweder verwirrt, oder gar stolz! Ein Zurückgrüßen ist ihm dabei nicht möglich, weil er mit einer solchen Achtungserweisung nie gerechnet hätte; sie ist in seiner Klasse untereinander nicht üblich.

Dies konfrontiert den echten Motorradfahrer mit einem fast unlösbaren Dilemma: Die Verletzung der Regel "Alles was kein Motorrad ist, darf nicht gegrüßt werden - ausgenommen Gespanne -"  ist unter keinen Umständen zu riskieren. Grüßt man einen grußberechtigten Fahrer jedoch nicht, ist man ein arroganter Sack ohne jegliche soziale Kompetenz, ein nicht-artspezifisches Alien.

Konzentriert man sich aber zu stark auf das entgegenkommende Fahrzeug, um es sicher zu identifizieren, läuft man Gefahr, die nächste Kurve zu verpassen und - dabei allerdings korrekt grüßend - eine Furche in den Boden der Natur zu fräsen.

Eine Lösung dieses Problems ist nicht in Sicht. Regierungen und Industrien weigern sich, ein Identifizierungssystem als Serienpflichtausstattung für Motorroller und Mopeds vorzuschreiben, beispielsweise ein leuchtendes Schild NO! über dem vorderen Schutzblech. Obwohl auch die Versicherungsgesellschaften statistische Beweise vorlegen können, dass versehentlich falsches Grüßen mehr Unfälle verursacht als falsches Abbbiegen.

Fazit dieser enorm langen Vorworte:

Wer bisher meinte, dass Motorradfahrer meist nur hirnlose Raser sind, die ihren Bock nur zum sexuellen Ausleben ihres anderweitigen Bockes benutzen, falls in dieser Richtung mal gerade nichts geht, liegt völlig daneben. Sicher hat das Motorradfahren irgendwie einen erotischen Touch; selbst (oder gerade dann), wenn die Sozia hinten drauf sitzt...

Aber wir sind enorm sensible Geschöpfe, die nicht nur einen hauchfeinen Unterton im Takt der Zylinder verspüren oder mit der Gashand umgehen können, als ob wir eine Mücke im Genick streicheln müssten. Jedenfalls gilt das für die meisten Moppedfahrer. Oder zumindest für einige. Für mich auf alle Fälle.

Gerade bei der Problematik des Grüßens wird deutlich, wie sensibel wir dabei agieren und reagieren! Nur eine Nuance daneben, und du bist fast ein Außenseiter, oder zumindest ein Beleidiger oder günstigenfalls Missachter.

Passt aber alles, dann ist es ein erhabenes Gefühl, das die Seele streichelt: Du gehörst dazu...


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Meine bisherigen Zweiräder, bevor es zu der unendlichen Geschichte mit der Kawasaki geht:

Bitte bei allen Vorschaubildern in dieser Erzählung mit der Maus darauf zeigen!


 Links vor dem Auto (Taunus 12M meines Vaters) die Kreidler Florett: 50 ccm, 40 km/h, Versicherungskennzeichen.
Satte 120 DM (~60 Euro);
für einen 16-jährigen Schüler im Jahr 1969 eine Menge Kies! Den hatte ich mir durch Arbeiten verdient: regelmäßiges Säubern eines Biergartens einer Kneipe; 10 DM (~5 Euro) pro Samstag, jeweils gut  drei Stunden lang. Was tut man nicht alles für ein ersehntes Moped! (Diesmal richtig: Moped...)


 Links der Zündapp-Roller,1970; 50 ccm, Fußschaltung, gut 70 km/h schnell! Im Technik-Museum Speyer ist ein Exemplar zu bewundern, das dem meinen aufs Haar gleicht.
 

           

  Heinkel-Roller (Bild aus dem Internet). 175 ccm, gut 120 km/h schnell, Handschaltung.
Diesen Roller fuhr ich nur etwa ein halbes Jahr in 1973; mir war es lästig, ständig vom 1. in den den 3. Hang schalten zu müssen, irgend etwas war da kaputt.
Ein befreundeter GI kaufte ihn mir ab und exportierte ihn nach Texas!


Die 250er Suzuki folgte im Herbst 1973; drei Jahre lang (bis März 1976) änderte sie über den Winter ihr Aussehen: vom ursprünglichen Grün zu diesem Metallic-Gold bis zu einem Reinweiß! Mit diesem Mopped habe ich sehr viel erlebt, unter anderem eine irre Fahrt nach Imola an der italienischen Riviera (nachzulesen in Auszügen hier) (Neues Fenster wieder schließen!)

                       


 Yamaha 650 XS, März 1976, einziges nagelneues Motorrad!
Zweizylinder, damit recht leicht und trotz ihrer nur 56 PS gut 175 km/h schnell.


                                                                               


Kawasaki Z 650 B1, 1991; Baujahr 1978, Vierzylinder, 66 PS, brockenschwer und trotzdem (auch mit Sozia!) 190 km/h in der Spitze.
Ein traumhaft schönes Motorrad, leider auch ein Alptraum, der hier geschildert wird...


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Die Story:

Im Jahre 1991 war ich nach langer Abstinenz wieder auf der Suche nach einem Moped. Im Januar hätte ich mir beinahe wieder eine Yamaha XS 650 gekauft, die ich schon einmal fuhr: 1976, mein erstes und einziges nagelneues Motorrad!
Der Kauf dieser Yamaha kam aber nicht zustande, weil der Verkäufer trotz mündlichen Kaufvertrages das Teil an einen anderen abgegeben hatte; selbst eine Drohung durch einen Rechtsanwalt nützte nichts! Wäre dieser Kauf zustande gekommen, hätte sich mein Mopedleben sicher völlig anders entwickelt...

Im Februar 1991 fand ich dann eine Anzeige einer Kawasaki Z 650: Das war schon damals mein Traum-Motorrad, ich hatte mir aber wegen des niedrigeren Preises dann doch die Yam XS 650 zugelegt. Am gleichen Abend der Anzeige fuhr ich noch in die Garage des Verkäufers und schaute mir das Mopped an: Alle Lackteile waren aufgrund eines kleinen(?) Unfalls nur grundiert, die Original-Schriftzüge leider nicht mehr da, und der Motor sprang nur unter Zuhilfenahme von Startpilot an (ein explosives Spray, das in den Luftfilter gesprüht wird und über die Vergaser in die Zylinder geleitet wird) - lange Standzeit, argumentierte der Verkäufer. Trotzdem: Ich wollte das Ding unbedingt haben! Damit begann das Drama...

Zwei Tage später holte ich mein Mopped für 3.000 DM ab (~ 1.500 €), und schon auf der Heimfahrt brach mir der Schweiß aus: Andauernd ging der Motor aus, mit dem Elektro-Starter war er nicht mehr an zu kriegen, und der Kickstarter war recht schwer zu treten. Ich hatte nur einen geliehenen Helm, mit dessen Technik ich nicht zurecht kam und deshalb das Visier nicht öffnen konnte, und so sah ich bei der anstrengenden Kickstarterei in ziemlicher Kälte mitten auf einer vielbefahrenen Bundesstraße durch meinen heftig ausgestoßenen Atem fast überhaupt nichts mehr - außerdem bekam ich Atemnot! Viele Autofahrer mussten mir ausweichen, aber keiner wollte seine Hilfe anbieten... Sie glotzten einfach nur, oft genug ziemlich doof.

Nach einer neuen Batterie schien das Problem vorerst gelöst. An dem Mopped habe ich diesem Jahr so gut wie überhaupt nix gemacht, jedenfalls was die Technik und so anging. Lediglich Verschönerungsarbeiten waren angesagt: neue Lackierung, Gepäckträger, Armaturenverblendungen. Ach ja: den Alu-Superbike-Lenker hab ich gegen den der Kawasaki Z 900 ausgetauscht, weil mir die flache Sitzposition unangenehem war; allerdings war ich da auch nicht besonders glücklich damit, weil der Lenker wieder etwas zu hoch war, und so fand ich es gar nicht schade, dass mir das Mopped einmal umfiel und damit der Lenker ganz schön verbogen wurde. Diesmal kam der Original-Lenker drauf, und der war absolut prima!

Nach der Neulackierung, mit der brutal lauten 4-in-1-Auspuffanlage 'Yoshimura': 




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Im Mai 1992 startete ich dann meine große Erlebnisreise nach Korsika: naiv, wie ich war, immer noch ohne technische Neuerungen, sogar die Reifen waren schon ziemlich hinüber. Und zum Anziehen hatte ich auch noch nix richtiges, nur die Lederklamotten und eine Regenkombi.

Nach drei Wochen und knapp 5.000 Kilometern, von denen ich rund zwei Wochen im Regen gefahren war, -  (einen Auszug dieser Reisebeschreibung aus meinem Buch gibt es oben unter "Links" -, hatte ich vom Leder so die Schnauze voll, dass ich mich mit Jacke, Hose und Schuhen von Harro ausgestattet hatte: winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv, integrierte Klimamembranen! Ein Traum! Aber so einen Traum ließen die sich ganz nett bezahlen: gut 1.500 DM legte ich damals hin (~ 750 €), was damals eine Menge Geld war (die Hälfte des Kaufpreises fürs Moped!) Dazu noch dünne, aber enorm widerstandsfähige Handschuhe aus Haarschafleder: 80 DM, ~ 40 €; (genial! Für die könnte ich Vertreter werden!) Vorher hatte ich mich schon für Thermo-Unterkleidung entschieden (die mir vielleicht auf dieser Korsikatour das Leben rettete): Über 260 DM (~ 130 €) für Unterwäsche!

Seitdem bin ich aber für jedes Wetter gerüstet.

Und: Die ganze Ausstattung - inkl. der Handschuhe - tut noch am Ende dieser Story ihren Dienst! Da bewahrheitet sich mal wieder das Sprichwort: Schlecht gekauft  - mindestens zweimal gekauft!
 
Danach ging es endlich an die Umrüsterei des Bikes: Koni-Federn hinten, verstärkte White-Power-Federgabeln vorne, neue Bremsbeläge, Kugellager-Lenkkopf gegen Kegelrollen ausgetauscht, Metzeler Niederquerschnittsreifen aufgezogen, Stahlflex-Bremsleitungen, neues Schwingenlager, neue Radlager, Rennkette, -ritzel und -zahnrad. Alles teuer, weit über 1/3 des Kaufpreises des Mopeds, aber gemäß dem Sprichwort von oben halten auch diese Teile noch heute!  Danach hatte ich vom Fahrverhalten her ein völlig neues Bike: spurstabil ohne Ende, brettgerade und zielgenau in den Kurven - einfach traumhaft!

Seitdem bin ich (nur) fast 70.000 Kilometer gefahren, ohne an diesen Teilen irgendetwas auszutauschen, außer den Reifen ab und zu - sogar Kette und Zahnräder sind im Jahr 2016 noch die selben! So eine Investition lohnt sich also.

- Einschub:

Wo wir gerade bei den Preisen waren: Eine kleine Info, damit du etwas verrückt wirst! Was hat mich dieses Motorrad wohl in den 25 Jahren (bis 2016) gekostet? Inkl. Anschaffung, Ausrüstung, alle Ersatzteile, Verbrauchsmaterial (wie Benzin, Öl usw.), Steuer, Versicherung, TÜV, Garagenmiete? Zwei Hinweise: Anschaffung, Ersatzteile und persönliche Ausrüstung des Fahrers rund 3.700 €. Garagenmiete etwa 6.750 €. Jetzt rechne noch Sprit und Motoröl für rund 70.000 Kilometer hinzu und die  Folgeausgaben, die für "Kleinigkeiten" an Reparaturen anfallen, und die anderen, laufenden Kosten! Dazu kommen die enormen Umrüstungen, die ich in das Motorrad investierte.
Ein Vermögen häuft sich dabei an, ich wage es kaum zu schreiben, um dir den Spaß nicht verderben:  rund 32.000 Euro...

Na ja, rechne aus, was du in 25 Jahren an Miete für deine Wohnung zahlst! Auch das haut dich um.

- Einschub Ende -

Leider aber stimmte irgendwas mit dem Motor nicht: Schlechtes Kaltstartverhalten (nach fünf Tagen Standzeit sprang der Motor nur noch mit Startpilot oder dem Überbrückungskabel an), also machte ich mich an die Vergaser: Da ich die schöne, aber viel zu laute Yoshimura-Anlage gegen das Original ausgetauscht hatte, musste ich ja sowieso umbedüsen, und dabei hab ich nahezu alles, was man in einem Vergaser austauschen kann, auch nagelneu wieder eingebaut. Diese Ersatzteile ließ sich  Kawasaki teuer bezahlen!

Das Problem blieb aber.

Anlasser ausgebaut und blankgeputzt, Kohlen erneuert - das Problem blieb. Vor jedem Start habe ich die völlig verrußten Zündkerzen blankgewienert, (Jessas! Wenn ich ein neueres Mopped gehabt hätte, bei dem man zum Zündkerzenwechsel das halbe Motorrad zerlegen muss, hätte ich bald den Gnadenschuss angewendet!) : das Startverhalten besserte sich kaum - also habe ich 9er statt 8er Kerzen von NGK verwendet, also heißere - aber auch die wurden schwarz.

Neue Leerlaufgemisch-Düsen in die Vergaser rein, neue O-Ringe und Federn (weil sich die Schrauben durch die Vibrationen dauernd herausdrehten) - keine Besserung. Neue elektronische Zündung rein (DYNA) statt der alten Kontaktzündung, Fliehkraftregler ersetzt - gleiches Dilemma.

Jetzt hatte ich noch zusätzlich das Problem, dass immer der dritte Zylinder von links nicht mitlaufen wollte: Vergaserbank wieder einmal raus (was ein echt heftiger Akt ist), gereinigt, eingebaut, synchronisiert - ging 'ne Weile gut, dann wieder wie oben...


Eine der wenigen Ausfahrten in diesem Jahr, dazu nur mit drei funktionierenden Zylindern statt vieren...



Lichtmaschine überprüfen lassen: Tipp vom Prüfer: die ist Ok, aber tausch doch mal den Regler und den Gleichrichter aus! Gesagt, getan: neue Regler/Gleichrichtereinheit rein.
Und, was soll ich sagen? 'ne Weile ok, dann wieder wie oben.

Das alles spielte sich in der Zeit zwischen 1995 und 2003 ab, und in dieser Zeit konnte ich in manchen Jahren überhaupt nicht fahren, weil das Bike einfach nicht wollte und wir in der Werkstatt eines Kumpels dran rumbastelten.

Manchmal hätte ich die Z auf den Mond schießen können, aber irgendwie hängt mein Herz an diesem blöden, schönen Mopped...

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2002 bin ich ganze 1.100 Kilometer gefahren, etwa so viel wie mit meinen Fahrrad: Immer wieder lief der dritte Topf voll Sprit. Also, wieder Vergaser raus, eine kleine Verstopfung in einer Düse beseitigt: Und ab ging die Post! Das heißt, wenn ich das Bike überhaupt zum Anspringen überreden konnte... Gute drei Wochen später das ganze Theater von vorne: Vergaser raus, nix gefunden, Vergaser rein - fahren, drei Wochen lang ohne Probleme, dann war die Saison vorbei und das Mopped kam in die Garage.


2003: Februar, bei schönem Wetter, den ersten Versuch gestartet: die Maschine ist zwar überraschenderweise ziemlich schnell angesprungen, aber wieder nur auf drei Zylindern! Aber der springt schnell an, wenn ich mal dreihundert Meter mit Vollgas und schleifender Kupplung die Wohnstraße entlang düse. Aber das ist ja auf die Dauer auch nix. Vor allem nicht für die Nachbarn...

Ich habe dann zufälligerweise einen Menschen kennen gelernt, der sich mit der Motorradelektrik auskennen soll: Jener checkt also alles durch, findet hie und da einige Ohm und Minus-Ampère, wo sie nicht hingehören, und steckt mir einfach einen Quetschverbinder um, der da frei in der Gegend hing und noch aus dem Umbau auf die kombinierte Regler/Gleichrichter-Einheit stammt, die ein Freund eingebaut hatte. Und siehe da: Saftverlust enorm gefallen! Irgendwo stimmt zwar was immer noch nicht, meint er, aber da müsste ich halt selber mal genau gucken. Danke. Ich, der von Elektrik keine Ahnung hat!

Ich mache mich also am nächsten Tag auf, einen Freund im 20 Kilometer entfernten Speyer zu besuchen; kurz vor Speyer, in einer schönen, engen Autobahnabfahrt, in geilster Schräglage, geht die Maschine plötzlich aus - dicht hinter mir ein LKW, der gerade noch an mir vorbeikurven kann! Klasse. Danke für diesen Adrenalinschub.

Check: Sicherung ok, aber nicht mal durch den Kickstarter ist das Ding wieder anzukriegen. Mein Unterbewusstsein schaltet das Licht aus (das am Mopped natürlich), und schwupp! ist der Motor da. Einige Meter aus der blöden Kurve gefahren, Licht angemacht: Motor aus. Selbes Spiel von vorne, und dann später bei meinem Freund den ADAC gerufen. Der Typ erklärt mir doch glatt, dass das Kabel zum Regler/Gleichrichter völlig falsch sei, die Batterie wurde jetzt ent-, statt geladen! Kabel umgestöpselt, alles paletti. Jetzt aber nix wie nach Hause!
Soviel zum Thema, dass sich der selbternannte Bastler mit Elektrik auskennen würde...

Danach habe ich mich entschlossen, an das vertrackte Thema Elektrik heranzugehen, obwohl ich ja davon überhaupt nix verstehe. Aber gucken kann man doch mal, oder?

So verfolgte ich Kabel um Kabel, habe die Hälfte des Kabelbaumes freigelegt - und was ich da für Sauereien gefunden habe! Aber ich hab keine Ahnung, ob ich das alles wieder zusammen kriege, und vor allem, wann. Entweder es regnete ohne Ende, oder es war viel zu heiß vor der Garage (Sommer 2003...); in der Garage kann ich nicht werkeln, weil da noch drei andere Moppeds drin stehen (die Doppelgarage habe ich gemietet und wieder an zwei andere untervermietet: einer fährt eine BMW und hat noch seine alte Honda drinstehen, der andere düst mit einer Yamaha durch die Gegend: beide ärgern und bedauern mich auch gleichzeitig, aber beide haben keine Ahnung von Motorrädern, außer dass man auf einen Knopf drücken muss und dann wegfährt... Blödmänner!)

Das ist also Stand der Dinge im Sommer 2003: ich fahre also immer noch mit dem Fahrrad.

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Anfang September 2003: Ich hab es satt, dauernd nur mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, obwohl es mir ja Spaß macht. Aber andererseits will ich auch mal wieder fahren, ohne treten zu müssen!

Das Wetter ließ es jetzt endlich zu, so dass ich mich an den Nerv der Elektrik wagte: Insgesamt 23 Stunden brauche ich, bis ich alle Kabel erneuert und alles wieder zusammen gepfriemelt habe - was natürlich nicht so glatt geht, weil immer wieder neue, kleine Probleme auftauchen:

Zum Beispiel habe ich mir nicht hundertprozentig genau aufgezeichnet, wo welches Kabel mündete oder endete, und da die Farben der Kabel auch nicht so ganz astrein übereinstimmten, weil anscheinend schon vorher irgendein Nichtskönner wie ich mal hie und da ein Stück Kabel zwischenrein gelötet hatte, war das schon ein Höllenspiel; etwa im rechten Lenkerschalter; hab z.B. die defekten Kabel abgeknipst ohne zu ahnen, dass ich Wochen brauchen würde, um die winzigen Kupferanschlüsse irgendwo aufzutreiben - und selbst die musste ich noch in Feinarbeit mit einer Feinfeile bearbeiten, bis sie passten.
Aber ich konnte ja nicht ahnen, dass ich Monate brauchen würde, um die Arbeit fortzusetzen, sonst hätte ich mir ganz bestimmt (?!) Zeichnungen oder so was gemacht... Denkzettel für die Zukunft!




Immerhin geht der erste Test in Ordnung, vor dem ich allerdings fürchterlichen Bammel hatte: Aber nix hat gequalmt oder gezischt, alles funktioniert - außer der Notausschalter: da muss ich doch zwei Kabel verwechselt haben, denn die Elektrik bleibt bei "off" an; was sicher nicht Sinn der Sache ist. Na, dann starte ich halt mal den Motor, und ich falle fast um - der springt doch tatsächlich an! Zwar brauche ich mehrere Versuche, aber er läuft auf allen Vieren! Und eben auf diesen meinen liege ich vor dem Mopped, vor lauter Unglauben...

Jetzt geht es nur noch darum, die Gaszüge richtig zu justieren (hatte ich glatt vergessen vor dem ersten Startversuch, deswegen hat es auch eine Weile gedauert), und weil der Motor auch etwas klapperte, stelle ich gleich noch die Kupplung nach und wollte die Steuerkette auch gleich wieder richtig einstellen.

Tja, und was jetzt? Richtig! Die Feststellschraube des Steuerkettenspanners drehte durch! Und ich ebenfalls!

Somit bin ich gerade auf der Suche nach einem anderen Gehäuse. Nicht nur für den Kettenspanner, sondern auch für mein angegriffenes Nervenkostüm...

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Ende September 2003: Ein Gehäuse für den Kettenspanner habe ich inzwischen gefunden, und zwar bei Markus Buchmann (Anfrage - sehr lohnenswert, dort mal nachzufragen, nicht nur wegen Teilen für die Z, er hat auch eine ganze Menge mehr anzubieten; gute Qualität zu gutem Preis!)

Der Ausbau des Gehäuses war ein Drama: Du weißt ja, wie blöde das Teil unter den Vergasern am Motorblock hängt - ich war nah am Heulen. Das neue Gehäuse stammt aus der Z900, ist um Klassen besser, weil die Spannfeder jetzt um ca. 2 cm mehr Druck ausüben kann. Beim Einbau hab ich die zwei Schrauben durch Inbusschrauben ersetzt, und mit einem kleinen, z-förmigen Inbusschlüssel aus einem Möbelfertigbausatz eines bekannten Möbelhauses (was ansonsten wenig taugt) kommt man ganz hervorragend dran.

Natürlich - es ist mal wieder was schiefgegangen dabei: Nach einer Probefahrt hat das Ding mächtig viel Öl ausgespuckt! Also wieder raus mit dem Gehäuse, und siehe da - irgendeiner hat doch glatt gepfuscht: die Reste der alten Dichtung waren nicht ordentlich abgeschabt! (Die neue Dichtung hab ich mir übrigens selbst ausgeschnitten, spart 'ne Menge Kohle). Und wieder rein mit dem Gehäuse, und wieder einen Probelauf im Stehen gemacht. Was soll ich sagen? Schon wieder Öl am Auslaufen! Donnernocheins aber, was jetzt schon wieder?
Hm, nach einem Blick von der linken Seite her (ich hatte ja nur von rechts gearbeitet), sehe ich doch glatt, dass die Dichtung an der unteren Schraube vollkommen nach außen gerutscht ist... Also obere Schraube lockern, untere ganz raus, Dichtung eingepasst, Schrauben wieder rein, und - dicht war's. Endlich.

Als Nächstes kamen die Simmeringe der Vorderradgabel dran; der rechte Holm hatte so einen Ölverlust, dass mir das Mopped beim Bremsen mit leichtem Lenkereinschlag nach rechts schon wegknickte! Aber auch da gab es wieder Probleme: Mit zwei Freunden baute ich die Dinger auseinander, das heißt, fast auseinander. Denn die Schrauben ganz unten, die das Tauchrohr halten, ließen sich nicht lösen - auch nicht mit Gegendruck eines konisch zugefeilten Besenstiels nicht, den wir in das Tauchrohr pressten. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den 25 km langen Weg zu meinem Kawa-Händler zu machen. Wir kennen uns seit vielen Jahren, und sehr oft hat er mir kleine Dienste gegen einen Obolus in die Kaffeekasse erwiesen - aber diesmal haut er über die Stränge: für dreikommafünf Minuten zum Lösen der Schrauben zockt er mir 15 Euro ab!

Na, jedenfalls hat es geklappt, und wir haben die Gabel wieder in Ordnung gebracht. Am nächsten Tag allerdings entdeckte ich einen Ölfleck unter dem rechten Gabelholm... Shocking! Aber es hatte nur einer von uns die Ablassschraube nicht fest genug zugedreht.

Was den Motor betrifft, nur noch ganz kurz die neuesten Infos:

Anfang Oktober 2003: Die ersten beiden Male ist er gut angesprungen, läuft auf allen Vieren. Die letzten beiden Male allerdings spinnt er wieder: Zwar laufen alle vier Töpfe, aber unter Last - will heißen: beim Wegfahren - stirbt er ab. Es geht nur wie vorher bei drei Töpfen: viel Gas, schleifende Kupplung, und das Gefühl zielender Gewehre der Nachbarn im Genick... Was das nun wieder zu bedeuten hat - keine Ahnung.

Ach ja, ganz kurz noch zum Fahrverhalten bei Nässe: Als ich letzten Sonntag von einer kleinen Probefahrt zurück im leichten Regen nach Hause musste, schmierte mir viermal das Hinterrad weg - soviel Adrenalin verträgt eigentlich kein Mann in meinem Alter mehr! Deswegen der Tipp: es macht schon Sinn, wenn ein Reifen genug Profil hat...

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Anfang Juni 2004
: Du glaubst es kaum, aber es ist dennoch wahr: ich fahre ein funktionierendes Mopped! Wie das kam? Durch einen unglaublich tollen Deal, den ich mit einer Motorradwerkstatt machte: Ich gebe Nachhilfe in EDV und er kümmert sich um meine Maschine, ganz einfach.
Dabei hab ich übrigens noch mehr Glück gehabt: bei einer kleinen Probefahrt im Hof des Meisters ging plötzlich die Bremse nicht mehr! Der Bremszylinder war undicht. Donnersack, wenn der Bursche eine größere Probefahrt gemacht hätte, oder ich sogar im Pfälzer Wald unterwegs gewesen wäre, das hätte wohl einen größeren Adrenalinschub gegeben - während eines unfreiwilligen Abhebens des Fahrers...

So hab ich jetzt einen neuen Hinterreifen, neuen TÜV und eine laufende Maschine. Ich sag dir, das ist vielleicht ein Hochgefühl! Kennst du sowas?
Ach ja, sicher kennst du das. Du hast ja auch sicher ein Mopped, das losfährt, wenn du aufs Knöpfchen drückst... Aber versetz dich mal in meine Lage!

Es hat aber ziemlich lange gedauert, bis sich in meinem Bewusstsein der Gedanke gefestigt hatte, dass ich nicht mehr hängenden Kopfes zur Garage schleichen musste, ohne Klamotten und Helm natürlich, weil ich ja nie wusste, ob das Teil anspringt oder nicht; und wenn doch, ob's auf allen Vieren läuft oder nicht; und wenn ja, ob's dann überhaupt wegfährt...

Inzwischen hab ich mich daran gewöhnt - oder auch nicht; es ist immer noch ein erhabenes Gefühl, wenn ich aufrecht zur Garage laufe und weiß, dass mein Liebling anspringt und mit mir wegfährt!

Jetzt kann es endlich ans Verschönern gehen, was ich ja schon letztes Jahr vorhatte: Bremssättel lackieren, abgeplatzten Lack am Motor neu lackieren usw.

Heissa!


August 2004: Verschönerungen sind fertig: Kettenschutz, Bremssättel und fast der komplette Motor neu lackiert! Ich glaube, das hat bisher noch keiner geschafft, einen eingebauten Motor zu lackieren... Jedenfalls hab ich davon noch nix gehört. Ein toller Nebeneffekt dabei war der, dass die seit Jahren schwitzende Kopfdichtung jetzt fröstelt, soll heißen, durch den Lack ist sie dicht geworden!

Außerdem hab ich bei der Aktion auch den Klarlack über den polierten Teilen ganz abgerubbelt, er war sowieso schon seit Jahren brüchig. Was darunter hervor kam, brachte meine braunen Äuglein zum Leuchten: hochglanzpolierte Teile! Die sah man schon gar nicht mehr vor lauter Gilb des (Klar)lacks. Was jetzt noch getan werden müsste sind die Standrohre; die sehen aus wie Sau. Hab aber keine Ahnung, wie ich das hinkriegen soll.

Einen kleinen Fehler in der Elektrik hab ich auch entdeckt: Hupen geht ganz einfach, ohne den Knopf auch nur zu berühren - nur den Lenker ganz nach links einschlagen. Dabei gehen auch die beiden rechten Blinker an und nicht mehr aus, hihi, nettes Gimmick. Also: Hupe abklemmen, und das Problem ist gelöst. Irgendwann werd ich mal nachsehen.

Ende September 2004: So, das hab ich nun davon: seit das Teil wieder klasse aussieht, muckt es wieder!
Die gleiche Chause wie früher: Sie springt nicht an, und wenn doch, dann säuft der dritte Topf ab. Einmal hat mich der ADAC überbrückt, aber selbst damit hat es Ewigkeiten gedauert, bis der Motor gelaufen ist, dabei ist auch immer wieder der Anlasser durchgedreht. Und ich auch. Ein andermal war's mein Nachbar, hier das gleiche Spiel.
Nun steht sie also wieder an ihrem Lieblingsplatz, die schöne Maschine, an dem sie schon so viele Monate und Jahre herum gestanden hat: in der Garage. Und wartet auf bessere Zeiten.

Übrigens hab ich einen Tipp bekommen, wie ich die Standrohre wieder in einen nagelneuen Zustand bringen könnte: es soll Messingbürsten für die Bohrmaschine geben, die so weich sind wie eine Zahnbürste, damit kann man Alu sehr gut polieren. Nicht auf Hochglanz, aber das wäre für die Rohre auch gar nicht nötig - und sieht wahrscheinlich auch nicht so gut aus. Jedenfalls würden sämtliche Macken rausgehen. Und anschließend kann man das alles mit Kunststoff-Lack aus der Spraydose konservieren (K 60, K 70 oder K 80). Mein Tipp-Geber hat so was in seiner Lehrzeit gemacht (vor 25 Jahren), und die Teile sind heute noch wie neu. Allerdings liegen sie seitdem im Keller, haben nie Wind, Wetter und Sonne gesehen. Aber jedenfalls werd ich das ausprobieren. Falls ich die Sachen überhaupt irgendwo auftreiben kann. Denn: Wenn das Mopped schon nicht richtig läuft, dann soll es wenigsten gnadenlos gut aussehen...

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März/April 2005: Ein neuer Versuch, um dem ganzen Dilemma endlich Herr zu werden: Vergaserbatterie ausgebaut, komplett zerlegt, und siehe da - sämtliche Dichtungen im Eimer! Das ist ja kein Wunder, dass alles absäuft! Warum im Namen eines Moppedgottes bin ich nicht schon früher darauf gekommen??? Das ist ja so was von logisch, dass selbst ein Idiot das hätte vermuten müssen...
Eine kleine Schweinerei dabei am Rande: für acht O-Ringe und vier Papierdichtungen musste ich beim Kawa-Händler über 26 Euro löhnen.
Später habe ich erfahren, dass es so was auch beim Bosch-Dienst gibt, für 6 Euro!

Nun, wenn die Dinger schon mal auseinander sind, dann aber richtig ran an die Sache: Die Gasschieber waren nicht richtig justiert, deshalb hab ich sie mechanisch neu synchronisiert; sie waren am unteren "Totpunkt" viel zu weit offen und auch nicht gleichmäßig in allen Vergasern.

Ein Schwimmer - der vom dritten - lag knapp einen Millimeter über dem Niveau der anderen... Jaja, Kleinvieh ergibt auch einen Haufen Mist!
Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass ich nach dem Wiedereinbau die Vergaser in einer Werkstatt nochmals synchronisieren lassen muss; nicht mechanisch, sondern per Unterdruck-Messgeräte.

Auf alle Fälle war ich überglücklich, dass die Maschine fast sofort angesprungen ist und auch auf allen Töpfen lief! Lediglich die Leerlaufdrehzahl musste ich schnell drosseln; ansonsten lief das Teil richtig gut.

Wetterbedingt musste ich das Mopped allerdings eine Woche stehen lassen. Und damit kam der nächste Test mit der wieder einmal bangen Frage: Springt'se an oder nicht? Immerhin war die Standzeit ja länger als vier Tage... Und das war ja vorher auch immer eins meiner größten Probleme: Nach fünf Tagen will sie einfach nicht anspringen! - Aber absolut kein Problem! Selbst die Batterie machte mit! Das lag vor allem daran, dass ich mir ein anderes Ladegerät geliehen hatte, weil meines keine Leistung mehr brachte: mit 11,6 Volt springt ein Motor nun mal nicht an. Und mit dem neuen Refresher hab ich die Batterie wieder auf Dauerleistung bringen können, sie hat ihre Spannung auch über zwei Wochen problemlos gehalten. Jedenfalls in meiner Küche.

Somit ging es also am Samstag, den 30.4.2005 (denkwürdiges Datum!) auf eine kleine Test-Tour. Der Motor ist schon viele Jahre nicht mehr so ruhig im Leerlauf gelaufen wie jetzt! Auch im Fahrbetrieb war ich vollauf zufrieden und recht glücklich jetzt... Und das Benzin war auch noch nie so teuer wie jetzt: 1,21 Euro für den Liter Super! Super, kann man da nur sagen...

MIST! Vor lauter Glück hatte ich ganz vergessen, dass ich schon im letzten Herbst noch ein anderes Problem hatte, das jetzt wieder auftrat: der Motor wurde viel zu schnell viel zu heiß!
Keinen blassen Schimmer, woran das liegt: Öl ist genug drinne, und die Kerzen sind auch nicht weiß verfärbt - und trotzdem glüht der Motor fast und will auch nicht mehr anspringen, bevor er nicht etwa 30 Minuten abgekühlt ist...

Bin mal gespannt, wie lange es dauert bis ich herausgefunden habe, was dieser Blödsinn nun schon wieder bedeutet!
Es wäre ja auch viel zu schön gewesen...

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Anfang Juni 2005: Mir ist da eine Idee gekommen: möglicherweise hat die Werkstatt, mit der ich letztes Jahr den tollen Deal gemacht hatte, beim Ölwechsel halbsynthetisches Öl rein und die Probleme kommen daher? Der Motor hat in seinem Leben noch nie was anderes bekommen als rein mineralisches Öl! Dummerweise sind die von der Werkstatt in Urlaub, kann also nicht nachfragen.

Vorsichtshalber wollte ich das Öl wechseln, ist ja sowieso wieder fällig - unglücklicherweise geht das nicht, weil die Ablassschraube so fest zu ist, dass ich sie rund gedreht habe... Schon seit Tagen sinne ich nach einer Möglichkeit, das Teil aufzukriegen! Bei der Gelegenheit hab ich auch nachgeprüft, ob der Schlauch für die Motorentlüftung vielleicht zu ist; leider aber nicht, sonst wäre das Problem vielleicht gelöst.

Aber ich hab gesehen, dass der Luftfilter ziemlich ölig aussieht: ist es vielleicht das? Gemisch zu mager, Motor zu heiß? Aber das müsste ich dann doch auch an den Kerzen sehen... Und außerdem ist viel zu viel Öl drinne, bestimmt ein halber Liter! Kann sein, dass dadurch der Luftfilter so ölig aussieht?

Das wiederum hätte ich doch an abnormalen Auspuffqualm sehen müssen... Ich blick's echt nicht mehr.

Aber wiederum das würde erklären, warum ich beim Ausbau der Vergaser nicht nur Öl an den Ansaugstutzen entdeckt hatte, sondern sogar an den Vergasereingängen selber...

Ich krieg die Krise mit dieser Z! Wie jedes Jahr so etwa elf bis sechs mal...

Mitte Juni 2005: Öl ist inzwischen gewechselt, hab die Ablass-Schraube mit einer Rohrzange malträtiert. Dummerweise aber ist auch der Ölfilterbolzen so fest wie angeschweißt! Keine Chance, das Teil - inzwischen rund wie ein Ei - aufzukriegen. Da die Mutter wesentlich flacher ist als die Ölablass-Schraube, hab ich auch keine Chance mit der Rohrzange; obwohl ich die Auspuffanlage abgemacht hab, um die Horizontale der Zange besser ausnutzen zu können.
Hab dann gleich bei Markus Buchmann, den ich ja schon weiter oben erwähnt hatte (z650markus@web.de), einen Ölfilterbolzen bestellt; zu einem fairen Preis, dazu noch überaus schnell geliefert. Sehr empfehlenswert, der Junge!

Zum Testen reicht's ja, dachte ich. Also fahr ich zu einem Zubehörhändler, hole einen Luftfilter, tausche den aus, und dann werd ich ja sehen. Dachte ich.

Dummerweise trat ein Problem auf, das mir die Tränen in die Augen trieb: schon wieder ist der dritte Topf beim Starten so abgesoffen, als wenn es Neujahr wäre und alle hätten nix anderes zu tun, als zu saufen!

ALLE? Nee, eben nur der dritte! SAUFLOCH! Warum bloß? Alle Dichtungen der Vergaser sind doch nagelneu!

Also blieb mir mal wieder nix anderes übrig, als mit Vollgas und extrem schleifender Kupplung den kleinen Hügel aus meiner Garage - etwa 15 Meter lange Anfahrt mit etwa 3,87 prozentiger Steigung - herauf bis zur Straße zu rasen, dabei die Grasfläche des kleinen Weges umzunieten, in Motocross-Manier das rutschende Hinterrad an der rechten Mauer eines Nachbarhauses wieder zum Geradeauslauf zu bewegen... wobei natürlich durch den Umkehrschub der linke Gartenzaun eines anderen Nachbarn in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und dabei immer wieder das Gefühl, die Jagdflinten der Anwohner in meinem Genick zu spüren, wegen dem Krach, den ich dabei verursacht habe.

Jedenfalls bin ich dann doch noch unversehrt oben angekommen und über unsere Nebenstraße auf die Hauptstraße gelangt; und nach etwa vier Kilometern Fahrt hat sich Topf Nummer drei doch noch entschlossen, in den Reigen der anderen mit einzusteigen.

Hey! Geiles Gefühl, wenn man plötzlich wieder ein Vierzylinder-Motorrad fährt...

Nach einigen weiteren Kilometern hatte ich den Eindruck, dass die Maschine nicht mehr so heiß wird wie zuvor. Aber drei Kilometer weiter, als ich anhalten musste und nach zehn Minuten wieder weiterfahren wollte, passierte es wieder:
E-Starter dreht durch und gibt Geräusche von sich, als wolle er sich von mir, dem Motor und der Welt insgesamt verabschieden. Kickstarter zeigt mir ebenfalls den Stinkefinger.

Erst nach einer halbstündigen Pause lässt sich die Maschine überreden, wieder anzuspringen!

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Ende Juni 2005: Ich hab wieder eine neue Idee, so banal sie auch ist (vielleicht bin ich deswegen noch nicht drauf gekommen?): Kerzenstecker, Zündkabel, Zündspulen? Letztere können es aber nicht sein, da ja sonst gleich zwei Zylinder ausfallen müssten; oder täuscht sich da mein Laienhirn?

Jedenfalls werde ich in den nächsten Tagen mal all die Teile untereinander tauschen und sehen, was passiert. Nur muss ich warten, bis sich das Wetter entschließt, mal einen Durchhänger einzulegen; es ist so brutal heiß, dass ich mir schon beim Öffnen des Garagentors fast die Finger verbrenne...




Ende Oktober 2008: Dummerweise habe ich die Story zwar bis zum Frühjahr 2008 weiter geschrieben, aber durch einen Sicherungsfehler ist sie einfach verschwunden und nicht wiederherzustellen... Äußerst ärgerlich!

Nun versuche ich in ein paar Sätzen die derzeitige Situation zu schildern:

Ich hatte fast die komplette Elektrik erneuert, nur den inneren Kabelbaum ließ ich unangetastet; der war nämlich noch wirklich gut in Ordnung. Viele andere Test hatte ich auch noch durchgeführt und an Kleinigkeiten herumgespielt, die ich jetzt nicht mehr in die Reihe kriege.

Nur eines ist mir noch deutlich in Erinnerung: 

Den Benzinhahn hatte ich ausgebaut und neu gedichtet - weil die Maschine dauernd abgesoffen war! Suffkopp...

Seitdem bin ich ohne größere Probleme durch die Gegend gegondelt - mehr als Gondeln war wegen meiner Halswirbelsäulenprobleme nicht drin. Mehr als 100 Kilometer am Stück krieg ich einfach nicht mehr auf die Piste, ohne zu leiden...

Bei einem Ausflug in den Odenwald im September 2008 zeigte sich allerdings wieder das leichte Überhitzungsproblem. Und wieder waren die Kerzen schwarz - das passt doch nicht zusammen?

Die Saison ist jetzt, Anfang November, wohl doch vorbei. Mal sehen, was sich im nächsten Frühjahr tut - wenn sich überhaupt was tut... Denn die letzten zwei oder dreimal hat sich die Maschine beim Anspringen wieder äußerst schwer getan, obwohl nur jeweils zwei Wochen dazwischen lagen!

Beim Einwintern ließ ich erstmals die Reste in den Vergasern ab, um einem Verharzen vorzubeugen: das hatte sich dann beim Start im nächsten Jahr absolut bewährt!

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Ende Oktober 2009:
Ich hatte Anfang des Jahres die fünfte Billig-Batterie in den letzten fünf Jahren über den Jordan gekickt, weil sie sich schon wieder nicht richtig aufladen ließ! Ich glaubte einfach nicht mehr daran, dass es an der Elektrik oder an den Vergasern oder sonst wo lag, sondern nur an dieser Batterie eines bestimmten Herstellers. Glaube versetzt ja bekanntlich Berge!

Somit orderte ich per Internet eine Gel-Batterie, wartungsfrei natürlich. Erstaunlich, dass sich der Preis dafür in der Gegend einer normalen Markenbatterie bewegte; hoffentlich falle ich da nicht schon wieder rein...

Aber erstaunlicherweise hatte ich Glück: Das ganze Jahr über sprang die Maschine einwandfrei an, auch wenn sie wetterbedingt mal vier oder gar sechs Wochen unangetastet in der Garage stand - das war bisher noch nie passiert! Und das auch noch, obwohl ich vergessen hatte die Batterie abzuklemmen; vorher war es ja so, dass irgendwas in dem Mopped auch im Ruhezustand offenbar Strom abzog und die Batterie nach schon einer Woche leer war. Oder war es nur die blöde Billigbatterie selber, die ihren eigenen Saft auffraß? Egal.

Jedenfalls war ich überglücklich, obwohl ich natürlich die üblen Gedanken der letzten Jahre nicht aus meinem Hirn verbannen konnte:
Viel zu oft hatte ich ein mieses Vorgefühl, wenn ich zur Garage radelte: springt sie an oder nicht? Und wenn doch, auf wie vielen Zylindern?

Eine kleine, aber sehr effektive Veränderung nahm ich auch noch vor: Die letzten zwei Jahre glaubte ich ernsthaft, das Mopedfahren verlernt zu haben, weil mir ständig in den Kurven das Ziel verloren ging und - noch schlimmer - in knappen Ecken wie z.B. bei herrlichen Verkehrsinseln das Hinterrad wegschmierte! So etwas macht nicht wirklich Spaß, es kostet nur unnötig eine Menge Adrenalin.

Nach dem Motto "wenn's hinten wackelt, dann ist vorne was locker und umgekehrt", ging ich ans Überprüfen: Lenkkopf okay, Schwinge okay, Kettenspannung okay. Dann die Erleuchtung: mit Schraubenzieher die Speichen des Hinterrades abgeklopft - "Hänschen klein" hätte ich darauf intonieren können!

Also Speichenschlüssel gekauft und mit viel Gehör und Gefühl versucht, den Speichen einen einigermaßen einheitlichen Klang zu geben.
Es war schon brutal: manche Speichen waren so locker, dass sie dem Bass von Iwan Rebroff nahe waren!
Vorne gab es nur einen Missklang, eine einzige Speiche klang etwas dumpfer, musste also nachgezogen werden.

Ein Fahrversuch musste sofort her, und - ich konnte wieder Kurven räubern! Und die genialen Verkehrsinseln, die in den letzten Jahren extra für uns Biker gebaut wurden, durchzog ich nicht mehr mit einem schwarzen Strich wegen wegschmierendem Hinterrad: ich zog durch wie in jüngeren Jahren! Heissa, machte das einen Spaß! Endlich waren die Zweifel an meinen Fahrkünsten verschwunden...

Als ich zwei Tage später wieder in die Garage ging und den Benzinhahn aufdrehte, schoss mir Benzin entgegen! Schnell drehte ich wieder zu, aber der ganze Motor war schon versifft. Dann sah ich die Ursache: direkt hinter dem Benzinhahn war der Schlauch fast komplett durchgerissen! Meine Herrn, wenn mir das vor zwei Tagen währen der Fahrt passiert wäre, wäre es mir ganz schön warm geworden, allerdings nicht ums Herz... Die Reparatur war schnell erledigt; mit einem Meter Benzinschlauch, von dem ich nur zehn Zentimeter bis zum Schwebstofffilter brauchte.

Vor dem letzten Ausflug Ende Oktober bekam ich wieder einen Seitenhieb: nix mit Anspringen! Erst nachdem ich andere Zündkerzen (alte, aber trockene und per Bürste vom Belag befreite) eindrehte, klappte es.

Das macht tolle Vorfreude auf das Auswintern im nächsten Jahr...

Brutalerweise entschloss ich mich, die Batterie nicht wie üblich den Winter über im kühlen Schlafzimmer zu lagern: abgeklemmt beließ ich sie im Motorrad mit der herzlichen Bitte zu beweisen, was Testberichte lobten: den ganzen, tiefen Winter im Freien verbracht, im März auf den Knopf gedrückt - und Saft ohne Ende war da!

Ein Traum wäre das...

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Ende Februar 2010: Das Wetter geht auf, die Sinne zum Moppedfahren ebenfalls - was wird, wenn ich die nächsten Tage einen Startversuch wage? Mir wird schon wieder ganz seltsam bei diesem Gedanken...

Dienstag, 23. März 2010: Sonnig, recht mild; also: mit schlechten Gedanken zur Garage geradelt und auf ein Wunder gehofft!

Und das geschah tatsächlich: der Motor sprang an, als ob er das erst vorgestern und nicht vor fast fünf Monaten zuletzt getan hätte! Zwar lief der vierte Zylinder nicht mit, aber nach einem Wechsel der Zündkerze tat er es dann doch. Ich war so sprachlos, dass ich nicht einmal jauchzen konnte, sondern mich nur schnell rauf auf den Bock setzte und fast zwei Stunden durch die Gegend gondelte, bis mir das Genick wieder weh tat... Aber dennoch: BALSAM FÜR DIE SEELE!!!!

Samstag, 24. April 2010: Grande Kacke! Auf der Rückkehr eines kurzen Ausflugs zu einer Bekannten flog mir nach einer Überquerung von Straßenbahnschienen die Hauptsicherung heraus; d.h. sie war zwar noch da, aber definitiv kaputt. Supertoll, dass der Pannendienst schon nach knapp einer Stunde eintraf, er aber erstens keine Ahnung von Moppeds und nicht einmal Ersatzsicherungen oder sonst irgendwelche Reparaturausrüstung dabei hatte! Na ja, dachte ich; Abschleppen ist immer noch die lukrativste Methode. Für den Abschleppdienst natürlich.

Also sah mein Mopped wieder einmal die Gegend von einem Rücken eines großen Autos, erschreckend eingeklemmt von vielen Haltegurten.

Geschlagene eineinhalb Wochen saß ich dran und kontrollierte sämtliche Kabel; sichtbar waren zwei Durchscheuerungen am linken Lenkerende, nachdem ich mit äußerster Mühe das eklig klebende, silberfarbene Isoband von sämtlichen Kabelsträngen entfernt hatte: die beiden Stellen waren aber wahrscheinlich nur für das blöde Aufleuchten der Blinkeranzeigen verantwortlich, die beide beim Einschalten des Frontlichts permanent leuchteten.

Genau kann ich das aber nicht sagen, weil trotz aller weiterer Suche, am

Samstag, 1. Mai 2010 immer noch bei jedem Zündschlüsselumdrehen die Sicherung nur einen Tick schneller durchdrehte als mein Hirn...

Sackzement! Jeder Versuch kostet eine Sicherung eines horrenden Preises von 25 Cent! Wohin soll das führen?
Entweder zum Versenken des Moppeds im Rheinschlamm oder zum Versenken meinerdaselbst in ebendiesem... Oder beides.

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Dienstag, 12. August 2010: Seit den paar Tagen ab dem 1. Mai habe ich rund 60 Sicherungen zerstören müssen! Also waren rund 60 Kabel in Ordnung, und wahrscheinlich grinste das Verursacherbiest unerkannt in den Tiefen der Elektrik über meine Bemühungen, es aufzufinden und zeigte mir unsichtbar einen hämischen Stinkefinger in Form von reinem Kurzschluss.


Hintendran mein Untermieter; einer jener Kerle, die im Frühjahr auf den Knopf drücken und wegfahren...



Meinem eigenen Kurzschluss entging ich nur dadurch, dass Mitte Juni bis Mitte Juli die Sonne so gnadenlos brannte, dass an eine Arbeit in der völlig überhitzten Garage nicht zu denken war. Danach kamen Wochen des Regens; auch da ging nix, weil ich keinen Bock hatte, eine halbe Stunde mit Regenschirm zur Garage zu latschen und anschließend völlig gefrustet wieder zurück...

Irgendwann kam ein Bekannter auf die Idee, dass ich es doch mal mit einem anderen Zündschloss versuchen sollte. >Lieber Walter aus Landau: ich danke dir bis ans Lebensende für diesen Tipp! Wahrscheinlich hast du damit mein Leben oder zumindest mein Nervenkostüm gerettet...<

Das bei einer bekannten "Bucht" ersteigerte Zündschloss kam an, und ich war zuerst enttäuscht: hatte dieses Teil doch den originalen Kombistecker dran, an meinem Bike fehlte aber das Gegenstück - ein Vorgänger hatte willenlos vier gleichfarbige Kabel dazwischen gelötet, und ich, nach einer Aktion vor Jahren, habe die auch noch verlängert bzw. repariert, mit wieder andersfarbigen Kabeln...

Da ich kein Gegenstück zu dem Kombistecker auftreiben konnte, habe ich ihn einfach gekappt und die vier Kabel mit Steckverbindern nacheinander verbunden: jedes Mal das Zündschloss an und gewartet, was passiert; jedes Mal nix! Also weder Kontroll-Leuchten an noch Sicherung raus...

Ich kann zu meiner Entschuldigung nur sagen, dass ich erstens recht schlecht sehe auf eine so kurze Entfernung, und dass ich außerdem recht doof bin;  erst ein Gedankenblitz brachte mich dazu, die - meiner Sichtmeinung nach noch intakte Sicherung - gegen eine neue auszutauschen:  danach brannten Leuchten und Lichter und mein Herz lichterloh!

Unfassbar  froh und erleichtert begann ich, das Kabelgewirr unter den Instrumenten wieder so zusammen zu quetschen, damit ich die untere Abdeckung zuschrauben konnte.

Dann wieder eine Eingebung: Zündschlüssel drehen!

Und was passiert? Nix! Das heißt, es passierte doch was: die Sicherung flog raus... Also im Prinzip passierte doch nix... Jedenfalls nix Neues.

Ein zufällig vorübergehender Mensch hätte mich mit Sicherheit 'Heulboje!' genannt...

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Mittwoch, 13. August 2010: Am nächsten Tag hatte ich wieder eine Eingebung: Ich prüfte die vielen lose herum hängenden Kabel und fand tatsächlich den Nervtöter: eine nicht isolierte Verbindung hatte Kontakt mit dem Rahmen! Isoband drumrum, Schlüssel gedreht, und - 
Lichterloh brannten Herz und Lichter und Leuchten: die Sicherung blieb heil...
...und meine Nerven traf ein ungewohnter Schlag von Sanft- und Zufriedenheit und Erleichterung.

Frohgemut pfriemelte ich die viel zu vielen Kabel in das Lampengehäuse, das dafür definitiv zu klein ist; nicht ohne ständig den Schlüssel zu drehen und zu hoffen, dass die Leerlaufanzeige weiterhin grün leuchtete - die anderen Anzeigen gingen eh schon seit Jahren nicht, und keiner weiß, warum...

Zwei Stunden vergingen, in denen mir der Schweiß in Strömen herunter tropfte: erstens wegen der ständigen Anspannung beim Schlüsseldrehen, aber auch, weil es ständig wärmer wurde in der Garage: die Sonne meinte es zu gut.
Aber schließlich sah das Mopped - zumindest von vorne - wieder so aus wie ein Mopped, das sein Angesicht stolz zeigen konnte: Lampe dran, Instrumente dran, Blinker dran - aber leider verkehrt herum: Doofie hatte die Dinger in Sitzrichtung angebaut, was zwar ein netter Gag wäre, aber wohl im allgemeinen Verkehrsgewühl nicht besonders gut ankommen würde...

Also Scheinwerfer wieder ab, die Blinker in die richtige Richtung gebracht und Scheinwerfer wieder drauf.
Und: Zündschlüssel gedreht - nix ist passiert!
Ich meine, echt nix, weil die Sicherung nicht durchdrehte und meine Nerven ebenfalls nicht!.

Jetzt blieb nur noch der Rest der Kabelei, wobei ich penibel darauf achtete, dass alles gut isoliert war - und bei jedem zweiten oder sechsten Handgriff den Zündschlüssel zur Kontrolle drehte...

Ach ja, ein kleines Problem gab es noch, das es zu lösen galt:
Im linken Griff war ein winziges Teil abgebrochen, das ich mit Sekundenkleber wieder zusammen kriegen wollte.

Natürlich klappte das nicht! Weil der Kleber zwar in Sekunden seine eigene Austrittsöffnung verklebte, aber nicht die Bruchstelle, die Fern- und Normallicht kontrollieren soll. Also kaufte ich einige Tage später in einem teuren Autozubehörladen einen teuren Kleber, der aber den Kleber aus einem 1-Euro-Shop bequem an die Wand klebte: ein halber Tropfen auf  die einen Millimeter große Bruchstelle, und das Problem war bombenfest geklebt!

Äußerst dumm nur, dass ich keine Ahnung mehr hatte, wie diese blöden Kabels aus dem Griff heraus liefen: zweie mögen wohl in dem zweigeteilten Griff  oben gewesen sein, drei unten - oder umgekehrt? Und wie krieg ich die Dinger so hin, dass keine Quetschgefahr besteht und der nächste Kurzschluss vorprogrammiert ist?

Hängenden Kopfes, mutlos und erschöpft wegen den Saunatemperaturen in der Garage gab ich es auf....



Ende August 2010: Den linken Griff hatte ich vollkommen im Griff! Irgendwie hatte ich eine Intuition, und das Ding war wieder zusammen und funktionierte: ich hatte tatsächlich die Lösung der Kabelaustritte entdeckt!

Anfang September 2010: Ich fand neuen Mut:  kaum zu sagen, was ich an den Kabeln getan hatte, aber der Motor sprang an! Am Lenker gerüttelt: Sicherung blieb drin! Da ich keine Moppedklamotten dabei hatte, radelte ich glücklich wie ein junger Hahn nach Hause, voller Fahrfreude aufs Mopped!

Zwei Tage später wollte ich also eine kleine Tour machen: Zündschlüssel rum, Sicherung drin, Startknopf gedrückt, aber nix rührte sich... Nach vielen Versuchen gemerkt, dass der Magnetschalter keinen Klacks von sich gab!

Ist das zu fassen? Zwei Tage vorher alles okay, und ohne das Mopped noch einmal berührt zu haben, verabschiedet sich höhnisch just am Tage meiner Moppedträume dieses saudumme Teil?

Schon wieder brach ich fast in die Knie: womit hatte ich das bloß verdient?

Wiederum zwei Tage später mit dem Rad eine Zweistundentour zu einem Händler nach Mannheim unternommen, der alte Mopedteile liebt, sammelt und verkauft; Magnetschalter erstanden und am gleichen Tag noch eingebaut: Mopped springt an! JUHUU! Jetzt endlich alle Fehler beseitigt? Dann geht's wohl doch noch zu einer Ausfahrt in dieser Saison!

Mopped raus aus der Garage, drei Kilometer später an einer Tanke Luft aufgefüllt, Moped angelassen, Lenker wegen Rückwärtsschieben etwas nach links eingeschlagen: Sicherung raus! Sicherungssatz gekauft und statt die 20er eine 25er rein: angesprungen, drei Kilometer zurück in die Garage gefahren: alles okay!

Zwei Tage danach Lust auf Ausflug: Moped angelassen; beim Versuch, es rückwärts aus der Garage zu schieben: Sicherung raus! Und meine auch...

Moped wieder hinein geschoben, Tank wieder ab zur Fehlersuche, neue Sicherung rein: Kontrollleuchten blieben an! Am Kabelstrang, der vom rechten Griff unter dem Tank durchläuft in Richtung Magnetschalter ganz leicht gezogen, und zwar genau unter dem Tank: neue Sicherung rein...
Ich flippte beinahe aus!

Wieder Kabeltests, indem ich viele Quetschverbinder trennte und jedes Mal die Zündung einschaltete: nach 15 Versuchen hatte ich keine Sicherungen mehr...

Seltsam dabei: Anfangs blieb die Leerlauf-Kontrollleuchte an, irgendwann nicht mehr, weil die Sicherungen wieder beim Schlüsseldreh rausflogen... Kann es sein, dass die dauernden Kurzschlüsse das Zündschloss (wieder) zerstört haben?

Ich hatte absolut keine Idee mehr, weil ich mich wahrscheinlich total verrannt und alles aufs Neue wieder und wieder probiert hatte.

Aufgeben ist ja nicht so mein Ding, vor allem nicht, wenn ich schon 18 Jahre darauf beharrte, die blöde und liebe Karre endlich zu einem gefügsamen Moped zu machen... Trotzdem wollte ich das störrische Teil wieder einmal auf den Mond schießen oder in einem tiefen Fluss versenken, mit mir als Reiter obendrauf!

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Mitte Oktober 2010: Zufällig hatte ich einen ehemaligen Kollegen getroffen und fragte ihn, ob er sich - wie in so vielen anderen Dingen auch - mit Fahrzeugelektrik auskennen würde und schilderte ihm das Problem. Etwas zögernd meinte er, dass er ja mal nachschauen könne, aber erst in zwei oder drei Wochen.

13. November 2010: An einem herrlichen Samstag bei wohltuenden 15 Wärmegraden hörte sich der Kollege in meiner Garage noch einmal an, was ich bisher getan hatte; noch während ich erzählte bat er mich, den Scheinwerfer zu öffnen, weil er glaubte, dass sich der Fehler dort befinden würde.

Er griff in die Kabelstränge, ich drehte den Zündschlüssel: o Wunder: die Sicherung blieb drin!

Aber auch mit seinen Luchsaugen konnte er nirgendwo eine schadhafte Stelle entdecken. So beschloss er, den dicksten Kabelstrang, den er bewegt hatte, mit einem innen harzgetränkten Schrumpfschlauch in der Größe eines Fahrradschlauches so zu stabilisieren, dass sich drinnen nichts mehr würde regen können. Ebenfalls isolierte er alle anderen Kabel (nochmals, nach meiner vorhergehenden Tätigkeit) sehr gewissenhaft - und zwar nicht nur im Scheinwerfergehäuse, sondern auch an allen anderen Stellen: von den Lenkerenden aus bis hin zur Batterie. Dabei entdeckten wir auch eine offene Kabelstelle von knapp einem Millimeter in der Nähe des Rahmens, die vielleicht bei saudummen Bewegungen Kontakt haben könnte!

Tests: Mopped hin und her schieben, Lenker nach allen Seiten bewegen: alles in Ordnung, Sicherung blieb drin!
Nur einen Fahrtest konnte ich nicht machen, weil der Sattel im Wohnzimmer lag zwecks Neubezug, (den ich übrigens bis inzwischen jetzt Ende November nicht in die Reihe brachte, weil auch das nicht so klappte, wie ich mir das gedacht hatte... Wundert das jemanden? Mich nicht!)

So habe ich nunmehr die frohe Hoffnung, dass ich im nächsten Februar des Jahres 2011 auf tolles Wetter hoffen und eine erfolgreiche und glückliche Ausfahrt unternehmen kann!


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Dezember 2011, Nachtrag des Jahres

Na ja, so richtig doll ist dieses Jahr auch nicht gelaufen, vor allem mein Mopped nicht...

Den neuen Sattelbezug hatte ich im Frühjahr endlich drauf gekriegt und den Sattel aufs Mopped gelegt, wobei mein Wohnzimmer deutlich an Gestalt verlor: Schließlich gehörte der Sattel vor meinem Schreibtisch seit Monaten zur Einrichtung! Jeder weiß, wie einem ein solch vertrautes Teil fehlen kann.

Eine gewisse Unlust ist aus diesen Zeilen bestimmt zu erkennen; das lag vor allem daran, dass mir mein Genick wieder heftige Schwierigkeiten bereitete: ich fühlte mich außerstande, das Mopped zu bewegen und versuchte deshalb auch gar nicht, den Motor zum Laufen zu bringen. Außerdem hatte ich mich sowieso schon von dem Mopped verabschiedet: Erstens war mir klar geworden, dass ich wegen den Genickproblemen keine Touren mehr unternehmen konnte, und außerdem hatte ich keinen Bock mehr auf den blöden Bock, der einfach nicht funktionieren wollte...

Ich hatte im Winter den Plan gefasst, mir einen kleinen Roller anzuschaffen: leicht und wendig würde er meinem Genick wohl weniger Probleme bereiten; eine Garage würde ich nicht mehr brauchen, weil das Teil das ganze Jahr über in der Nähe meiner Wohnung stehen sollte, was nicht nur Geld spart, sondern auch die (je nach Gegenwind) zwölf- bis 14-minütige  Fahrradtour bis zur Garage;  kein TÜV, keine Steuern spart auch Knete; und mit 50 Stundenkilometern wäre ich immer noch mobil genug für kleine Fahrten!

Diese Idee hatte sich so festgesetzt, dass ich im Frühjahr nicht einmal mehr Wehmut spürte, wenn blöde Moppedfahrer mit ihren dummen, funktionierenden Maschinen an mir vorbei düsten! Niemals hätte ich gedacht, dass ich so herzlos würde sein können, auch meiner Maschine gegenüber; ich hatte wohl die Tatsachen endlich kapiert, und auch meine Seele hatte sich damit abgefunden.

Einen alten Viertaktroller hatte ich allerdings in der ganzen Zeit nicht gefunden; einen Zweitakter wollte ich aber auf keinen Fall: so stinkend und mit solch hässlichen Geräuschen würde ich niemals durch die Gegend gondeln!

Im Frühsommer schließlich fasste ich mir ein Herz und befahl meinem Genick, sich anständig zu verhalten; das gleiche befahl ich auch meiner Kawa; aber die blieb sturer als mein Genick: es lag aber zu dieser Zeit nur an der Batterie, die gab nämlich keinen Ton von sich.

Na, dachte ich, so eine tolle Gel-Batterie (die ich mir im Vorjahr geleistet hatte), ist doch ein Wunderwerk, oder nicht?

Kurzerhand schloss ich sie an mein Ladegerät an, und ebenso kurzerhand war die Batterie zerstört: Ein normales Ladegerät darf niemals an eine Gel-Batterie angeschlossen werden! Woher sollte ich das auch wissen?
Ich hätte den Beipackzettel der Batterie lesen müssen...

Also: eine neue Batterie gekauft, eingebaut und einen Startversuch gewagt:

Ich bekam vor Schreck fast einen Infarkt, als der Motor schon nach einem Hauch von Druck auf den Startknopf ansprang! Danach fühlte ich mich aber unendlich glücklich...

Satte 60 Kilometer schaffte ich an diesem herrlichen Tag, rund um die Dörfer vor Ludwigshafen, bevor mein Genick um eine Pause von mindestens einer Woche bettelte.

Ich gab schmerzerfüllt nach, aber  meine Seele hatte in diesen zwei Stunden Hochkonjunktur:

Das satte Brummen der Maschine; die Vibrationen unter dem Hintern, die den ganzen Kerl erfassten; das unglaubliche Glücksgefühl, sich herrlichen Kurven anschmiegen zu können in einer Geschwindigkeit, die Frauen an ihren Kurven nie erlauben würden; der fast irre Ruck an der Gashand, wenn es aus einer traumhaften rechts-links-rechts-Kombination auf die Autobahn ging, mit freudiger, ja süchtiger Erwartung auf den "Nachbrenner", der  ab einer gewissen hohen Drehzahl einsetzen würde; die enorme Bremswirkung, die nötig ist, um nach einem solch kurzem Geschwindigkeitsrausch die nächste rechts-links-rechts Kombination der Ausfahrt zu erwischen und dabei die Kurven noch besser und in noch schrägerer Lage zu meistern als bei der Einfahrt zur kurzen Autobahnstrecke; das anschließend gemütliche Gondeln durch die hübschen Vororte, bei dem ich riechen, sehen und mit allen Fasern spüren kann, was die Natur zu bieten hat: duftende Felder, herrliche Wiesen, wunderschöne Häuschen - selbst die kleinsten Schönheiten wie blühende Balkone oder vor den Häuschen aufgestellte Pflanzkübel mit herrlichen Blumen kann ich wahrnehmen und genießen...

Das alles begehrt mein Motorradherz!

Damit war der ganze Plan mit einem Roller im Eimer:  Niemals könnte ich diese Gefühle aufgeben! Nie würde ich mich auf so einem kleinen Ding so irre glücklich fühlen! Und wenn ich nur ein- oder zweimal im Monat eine solch kleine Tour unternehmen könnte: lieber eine Weile körperlich leiden als andauernd seelisch... Ich liebte mein großes rot/weißes Mädel wieder!

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Wieder in der Garage wollte ich den Benzinhahn schließen, aber der wollte das nicht. Offen konnte ich ihn aber nicht lassen, weil ich keine Unterdruckvergaser habe und somit ständig Benzin fließt; also probierte ich es mit einer Zange: schließlich gab der Hahn nach; aber in der Form, dass der Hebel abbrach! Die letzten zwei oder drei Jahre schon war der Hebel sehr schwergängig, jetzt hatte er endgültig den Geist aufgegeben.

Mir blieb nichts anderes übrig, als den Benzinschlauch zu knicken und mit einem Kabel zusammenzuhalten, damit der Benzinfluss gestoppt wurde. Danach begab ich mich im Internet auf die Suche nach einem gebrauchten Benzinhahn: ein neuer sollte beim Händler 79 Euro kosten, was mir eindeutig zu viel war! Ich fand auch schon bald einen, für 22 Euro inkl. Versand, der schon fünf Tage später eintraf. Als ich ihn auspackte, sah ich sofort, dass es ein falscher Hahn war: es war einer für Unterdruckvergaser, er hatte also keine Off-Stellung! Also verscherbelte ich ihn wieder (mit drei Euro Gewinn) und besorgte mir doch einen neuen beim Händler, weil für mein Baujahr kein gebrauchter Hahn zu finden war.

In der Zwischenzeit versuchte ich einen großen Benzinkanister aufzutreiben, denn ein Wechsel des Benzinhahns bei vollem Tank ist völliger Blödsinn! Kein Mensch hatte jedoch einen; bei den heutigen Tankreserven der Autos ist so was einfach unnötig. In einem Billigladen entdeckte ich schließlich einen 10 l-Kanister für acht Euro und nahm ihn mit in die Garage. Als ich das Tor öffnete wusste ich sofort, dass sich die Sache mit dem Kanister erledigt hatte: eine riesige Benzinlache auf dem Boden! Durch das Abknicken des Benzinschlauchs war dieser direkt am Benzinhahn aufgerissen und der ganze Sprit bis zum Reservestand ausgelaufen; so konnte ich also locker den neuen Hahn einbauen und den Kanister wieder zurücktragen.
 
Tja, manche Dinge erledigen sich von selbst, wenn man eine Weile wartet... Nur mit der Elektrik klappt das leider nicht.

Und wieder durfte ich an einem herrlichen Wochenende im Spätsommer für die Zeit von knapp über 60 Kilometern Glück tanken, wie kurz vorher beschrieben, und musste aber auch wieder eine Woche leiden; aber das war egal!

An einem Sonntag anfangs Oktober, - es sollte laut Wettervorhersage der letzte, schöne und warme Tag dieses Jahres sein -, wollte ich noch einmal nachtanken: Glückseligkeit für die langen Wintermonate speichern! Diesmal aber schlug das Schicksal wieder gnadenlos zu: Das Mopped wollte nicht anspringen!

Liebe wandelte sich in Hass, Glücksgefühle versteinerten zur Verzweiflung, Hoffnung wurde zu absoluter Hilflosigkeit...

Völlig am Boden baute ich die leergenudelte Batterie aus und hängte sie zu Hause ans Ladegerät. Aber schon am nächsten Tag wurde die Wettervorhersage tatsächlich wahr, und das Moppedjahr war vorbei:  ganze fünf Fahrstunden hatte es für mich gedauert!

Und in Zukunft? Kann ich wirklich damit leben?

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Januar 2012

Im letzten November hatte ich unwahrscheinliches Glück, was aber nicht direkt das Motorrad betraf, sondern die Garage:

Seit meinem Umzug vor 4 1/2 Jahren musste ich ja immer eine Viertelstunde bis zur Garage radeln, was äußerst lästig war; vor allem dann, wenn das Moped nicht ansprang und ich wieder zurück radeln musste, mit der Batterie im Körbchen und Frust im Herzen.

Ich fand durch Zufall (weil ich gar nicht danach suchte) eine Garage satte drei Häuser von meiner Wohnung entfernt! Das könnte meinen Frust etwas mildern, dachte ich, weil ich keine langen Wege mehr haben würde und dann einfach mal so schauen könnte, ob das Mädel will oder nicht; außerdem ist ja eh logisch, dass man sein Mädel lieber in der Nähe hat...

Also schloss ich den Mietvertrag für nächsten Januar ab und hatte auch gleich noch einen Untermieter, der aber erst ab April mit seiner 500er Suzi einziehen würde. Der Mietpreis war mit 50 Euro zwar doppelt so teuer wie die alte Garage, aber das sollte es mir wegen der unmittelbaren Nähe wert sein!

Mein Umzug gestaltete sich aber etwas schwierig, weil ich absolut keinen Bock hatte, mitten im Winter in die alte Garage zu radeln, das Mopped in die neue zu fahren (falls es übrhaupt wollte), wieder in die alte Garage zu laufen und das Fahrrad abzuholen; außerdem stand dort noch eine Menge Zeug, das ich nicht transportieren konnte.

Da mein ehemaliger Untermieter die Garage übernahm und mir gnädigerweise gestattete, kostenlos dort zu parken, bis das Wetter sich bessern würde, hatte ich glücklicherweise deswegen keinen Stress. Der kam erst gegen Ende Februar, als es urplötzlich wärmer und sonniger wurde: Die Batterie stand zu Hause, war aber leider nicht mehr kräftig genug, weswegen ich sie laden musste; mit voller Power am nächsten Tag wollte ich ran, aber da regnete es plötzlich. Als es zwei Tage später nicht mehr regnete und die Temperaturen wieder erträglich waren, machte jedoch mein Genick nicht mit... Ich hatte echt ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem kulanten Garagenplatz-zur-Verfügungsteller!

Am Sonntag, den 26.2. war es dann so weit: Mein schlechtes Gewissen meldete sich abends am Telefon und fragte höflich nach, wann es denn so weit sei? Wir einigten uns auf Mittwoch, den 29.2.: Das Wetter sollte besser werden, außerdem würde er mir bei eventuellen Startproblemen behilflich sein, (wie kam er nur auf einen solchen Gedanken, dass das nötig sein würde?); zudem wollte er mein ganzes Zeugs in die neue Garage chauffieren. Echt nett, was? Oder nur genervt?

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Mittwoch, 29.2.2012: Na, wer sagt's denn! Alles beim Alten!

Batterie rein, Anlasser gestartet: wunderbar durchgedreht, aber nicht angesprungen! Kollege kam mit dem Auto, Batterie überbrückt: Anlasser gedreht wie wild, nicht angesprungen!
Benzinhahn war auf, die Kerzen aber seltsamerweise trotz der vielen Startversuche knochentrocken, was eher ungewöhnlich ist: sonst waren die Zylinder meist abgesoffen.

Wenigsten haben wir mein ganzes Zeug in die neue Garage geschafft! 


Morgen muss die Maschine raus, egal, wie. Notfalls muss meine Versicherung den Abschleppdienst bezahlen lassen... Aber vorher muss ich noch was versuchen: es muss einfach am Sprit liegen, der nicht fließt, obwohl ich im Schwebstofffilter Benzin gesehen habe!

Wie es mir jetzt geht, brauche ich wohl mit nur einem Wort zu beschreiben: niedergeschlagenwiesau...

Ein genialer Gedanke durchzuckte mich: es gibt doch die Gelben Engel?! Ich also kurz vor Feierabend ins Büro des ADAC gerannt und mich dort als Mitglied eingetragen!
Ab 1.3. galt der Vertrag, aber ich sollte lieber noch zwei oder drei Tage warten, bis ich den Pannendienst rufe, das wäre zu auffällig, meinte der Angestellte, denn eine Versicherung für Schäden, die vor Vertragsabschluss passiert sind, sei definitiv nicht gültig.
Also bat ich meinen Kollegen um Aufschub.

Donnerstag, 1.3.2012: Ich habe sehr lange überlegt, ob ich diese Peinlichkeit hier beschreiben soll, aber das gehört halt auch zu dem ganzen Drama dazu:

Es war tatsächlich kein Benzin mehr drin... Die wenigen Tropfen, die ich im Schwebstofffilter gesehen hatte, wurden einfach nicht angesaugt! Warum ich Dreifachdepp den Tank nicht überprüft hatte, kann ich nicht ergründen; wahrscheinlich war die Enttäuschung schon viel zu groß, so dass ich keinen vernünftigen Gedanken mehr zustande brachte.

Im Nachhinein erinnere ich mich, dass unter dem Motor eine kleine, verharzte Lache zu sehen war. Ich schob das aber als Relikt auf das Auslaufens des Tanks im letzten Herbst, weswegen ich dieses Detail wohl ignorierte.

Glücklicherweise sah ich einen Nachbarn (was nur alle Jahre mal geschah!), und fragte ihn nach einem Benzinkanister; und erstaunlicherweise hatte er einen im Auto! (Wer sich dran erinnert: im letzten Jahr hatte ich kein Aas gefunden, der so ein antiquitiertes Teil hatte, als mir der Benzinhahn kaputt ging... Und ausgerechnet dieser Nachbar war mir nicht eingefallen, weil wir uns viel zu selten begegneten...)

Natürlich (!) war der Kanister leer. So radelte ich zur nächsten Tanke, füllte den Kanister und stellte an der Kasse fest, dass auch mein Geldbeutel fast leer war! Etwa neun Euro sollte es kosten, ich hatte aber nur noch einen Fünfer drin!

Das passte also mal wieder wie der Deckel auf den Topf....

Ich hinterlegte als Pfand meinen Kfz-Schein vom Mopped, ließ den Kanister stehen und radelte in meine Wohnung und wieder zurück zur Tankstelle: locker in 25 Minuten erledigt.

Zehn Minuten später in der Garage goss ich erwartungsvoll den Sprit in den Tank, wobei allerdings anfangs eine heftige Menge daneben ging: das Füllhorn des Reservekanisters hatte einen Riss! 'Passt schon wieder!' dachte ich, schraubte den Einfüllstutzen ab und goss halt so in die Tanköffnung; den daneben gehenden viertel Liter putzte ich nach einer tolerant gewährten Verdunstungsphase mit vielen Tempos vom Mopped ab; der Boden war mir egal, denn da hatte ja die Lache des letzten Benzinauslaufs eh schon brutal gewütet.

Jetzt endlich konnte es ans Starten gehen! Wer errät es?

Richtig! Erfolglos, natürlich...

Samstag, 3.3.2012: Eine halbe Stunde zur Garage gelaufen, ADAC angerufen, eine halbe Stunde gewartet.

Der Gelbe Engel überbrückte die Batterie, zischte während des mehrere Minuten dauernden Anlassversuchs eine halbe Dose 'Startpilot' in den Luftfilter der Kawa. Wir beide wurden schon fast high von den Düften dieses Nebels, aber endlich gab die Kawa nach und zündete ihre vier Zylinder! Welch ein Sound, welch ein Traum! Ich war nahe dran, einen männlichen Engel zu küssen...

Etwas über eine Viertelstunde später stand die Kawa in ihrem neuen Heim! Ein größerer Umweg als diese neun Kilometer war nicht drin: Wetter zu blöd, ich fror.

Sonntag, 4.3.2012: Ich hatte vergessen, die Batterie am Minuspol abzuklemmen, was ich sonst immer mache, weil offenbar irgendwo Strom abgezogen wird; diesen blöden Fehler suche ich schon seit Jahren. So schlurfte ich zur Garage, (drei statt 30 Minuten! Eine Wohltat!), und fiel fast um, als ich die Tür öffnete: Benzingestank ohne Ende!

Eine Lache auf dem Boden lachte mich nicht unbedingt an, sondern versetzte mir im Gegenteil einen Schock!
Schockschwerenot, was war denn nun wieder los?  Entsetzt stand ich davor und konnte minutenlang keinen klaren Gedanken fassen!

Ein Tasten mit den Fingern bestätigte den Verdacht, dass Benzin auströpfelte, und zwar irgendwo zwischen Hahn und Vergasern. Eigentlich logisch, denn wo sonst, dachte ich hämisch; aus dem Sattel wohl nicht.

Ich konnte die Stelle aber nicht finden, weil ich in diesem Nahbereich etwa so gut sehe wie ein Maulwurf in die Ferne.

Den ADAC zu rufen war zwecklos, denn bis ein Engel kam, würde es dunkel sein. So schob ich eine Schale unter den Motor und verschob den Hilferuf auf den nächsten Tag.

Zuhause kamen mir folgende Gedanken:

Letzter Startversuch im Oktober vergangen Jahres schlug fehl. Warum? War da schon das Benzin alle, und ich hatte es nicht bemerkt?
Erster Startversuch in diesem Jahr mit dem gleichen Ergebnis, wobei ich erst später merkte, dass der Tank leer war und eine fast getrocknete kleine Lache auf dem Boden vor sich hin döste.
Was wäre gewesen, wenn ich beim Garagenwechsel eine größere Tour hätte unternehmen können? Wären die austretenden Tropfen auf dem heißen Auspuff entflammt und hätten dem Mopped und mir den Garaus gemacht?

Hatte ich vielleicht beim Wechsel des Benzinhahns und dem Neuverlegen der Benzinleitung einen dummen oder sogar einen saudummen Fehler gemacht?

Montag, 5.3.2012: ADAC gerufen; schon 10 Minuten danach war der Gelbe Engel da! Erster Ausruf: 'Huiii! Eine alte Z650! Super! Und in einem solch tollen Zustand!' Ich wurde fast so rot wie die Kawa, und mit meinen grauen Haaren passte ich mich damit enorm an das Erscheinungsbild der Z an... Aber es stimmt schon: ihre 35 Jahre sieht man ihr wirklich nicht an.

Der Engel fand recht schnell den Auslöser, als ich mich drauf setzte und das Mopped einige Male hin und her schüttelte: aus dem Benzinhahn tropfte es! Mit einem zehner Ringschlüssel ließ sich der untere Teil des Hahns, in dem ein Filtersiebchen sitzt, schnell wieder festziehen, und die Sache war erledigt. 'Sie sind ja wirklich ein Engel!' meinte ich voll des Lobes, und er bedankte sich freudig. Ich allerdings ließ mir meine Scham nicht ansehen...

Das war also die Lösung, warum der Tank komplett ausgelaufen war und nicht bei der Reserve halt gemacht hatte, wie damals, als der Benzinschlauch gerissen war!

Diese zwei Rettungseinsätze hatten also jetzt schon den kompletten Jahresbeitrag von 44,50 € gerechtfertigt, der noch nicht mal abgebucht war...

Jetzt muss es nur noch etwas wärmer werden und die Maschine wieder anspringen. (Mist, ich krieg' diese doofen Gedanken einfach nicht raus... Nach so vielen Jahren haben sie sich tief eingefressen).

Mittwoch, 14.3.2012: Sonnenschein, 15°! Die Luft zwar noch kühl, aber dennoch ein idealer Tag, um einen Anspringversuch zu wagen.

Ich öffnete den Benzinhahn, sah, dass im Schwebstofffilter kein Benzin drin war und stellte auf Reserve um. Dann schüttelte ich das Mopped und hörte Benzin schwappen, sah danach im Filtergehäuse Sprit: also war ich bereit für den Startknopf, trotz schlechten Gefühls...

Sackzement! Nur zweimal gestartet, und die Maschine sprang an! Heissa!

Ich wollte zur Tankstelle, um den Reifendruck zu überprüfen. Da mir die nächste Tanke zu nah war, fuhr ich zu einer anderen, um einen kleinen Umweg zu machen; d.h. ich wollte dorthin fahren! Ich schaffte es aber nicht...

An der Auffahrt zu einer Brücke über die Bahngleise fing der Motor an zu stottern und ging kurz vor der Kuppe der Brücke aus! (Natürlich vor der Kuppe, wo sonst?) Kein Benzin mehr, nach etwa drei Kilometern glücklicher Fahrt!

Die letzten 20 Meter bis zum wieder abfallenden Teil musste ich schieben; glücklicherweise war es hier kaum noch ansteigend, dann konnte ich hinunter rollen bis zum Ende der Brücke, wo die Ampel selbstverständlich rot wurde, sonst hätte ich es noch ein Stück weiter geschafft. Rund 50 Meter weiter gab es eine Tankstelle, die eigentlich nicht mein Ziel gewesen war, ich wollte ja noch weiter fahren; aber jetzt war ich froh, dass sie dalag.

Etwas zittrig wegen der Schieberei stellte ich das Mopped vor einer Zapfsäule ab und erschrak gar mächtig: 1,69 € wollten die für einen Liter haben! Saftsäcke! Für 10 € ließ ich es fließen, aber es floss nur sehr kurz: nicht einmal sechs Liter wechselten den Besitzer.

Vor lauter Zorn vergaß ich, nach dem Luftdruck zu sehen und begab mich auf dem kürzesten Weg zurück in die Garage. D.h. ich wollte dort hin, schaffte aber nur etwa zwei weitere Kilometer...

Wiederum kurz vor der nächsten Tankstelle fing der Motor an zu stottern, und ich konnte gerade noch bis zur Luftauffüllstation rollen!
Eine Sichtprüfung ergab, dass im Filter kein Benzin mehr war! Ich stellte auf Reserve, und es floss wieder. Warum? Die Reserve beginnt erst bei 2,5 Litern, und ich hatte doch fast sechs Liter drin?

Dieser Frage nachzugehen hatte ich heute keine Lust mehr und stellte das Mopped weitere zweihundert Meter weiter in der Garage ab.

Eine andere Frage, nämlich die, warum bei der Abfahrt offenbar nur noch ein paar Schluck Benzin drinne waren, konnte ich aber sofort klären: es mussten tatsächlich fast die ganzen fünf Liter aus dem Reservekanister ausgelaufen sein, bis der Gelbe Engel den Hahn zudrehte! Acht Euro auf dem Garagenboden verdunstet!

Immerhin sollte mir jetzt doch endlich die jahrelange Angst genommen werden, dass die Maschine nicht anspringen könnte...
Warten wir's ab!

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Ende April 2012: Vor über einer Woche hatte ich mal wieder Bock, auf den Bock zu steigen; dieser aber bockte mal wieder:
Nix mit Anspringerei -  dafür sprang ich im Dreieck!

Ich schob es auf die Batterie, weil mir nichts besseres einfiel. Also nahm ich den Energieblock mit nach oben und steckte das Ladegerät dran; am Tag danach zeigte der Spannungsprüfer 13,6 Volt, also knallevoll; drei Tage später waren es noch 12,6 Volt: Ein Abfall, der normal ist, wie man mir sagte. Zum Test ließ ich die Batterie noch sechs Tage stehen, und sie war immer noch geladen mit 12,6 Volt! Also musste ein Batterieschaden ausgeschlossen und das Hirn angestrengt werden, woran es sonst noch liegen könnte.

Ihr werdet es nicht glauben, aber es ist brockenwahr: In dieser Nacht erträumte ich die Lösung, die ich sofort morgens überprüfte und mein Nachthirnie mit Dankesworten bis zum Exzess überschüttete: der Schwebstofffilter ließ nur noch wenige Tropfen durch!

Das Ding rausgeschmissen, durch ein Stück neuen Benzinschlauch ersetzt (ich hatte ja noch fast einen Meter übrig davon), auf den Startknopf gedrückt und freudig zusammengezuckt: Der Motor sprang an! Zwar nur mit zwei Zylindern, aber immerhin!

Dann habe ich alle Kerzen rausgeschraubt, die seltsamerweise recht feucht waren, sie einen Tag liegen lassen, um ihnen und den Zylindern Zeit zum Abtrocknen zu spendieren.

28. April 2012, ein denkwürdiger Samstag!

Von einem Tag auf den anderen stieg die Temperatur von 15 auf 30 Grad! Drei Tage zuvor hatte es sogar nur rund 12 Grad! Irrsinn.


Irrsinn auch, dass nach dem Einschrauben der Zündkerzen der Motor sofort ansprang, auf allen vieren!
Ich warf mich vor Glück auch auf alle Viere, direkt vor dem Mopped, und küsste im Taumel einen Zylinder, der noch eine angenehm lippenwarme Temperatur hatte!

Freunde, vielleicht könnt ihr mein Glück fassen, das sich auf diesem Ausritt in mir ausbreitete! Es wurden gut 40 km um die Vororte, meist Gondelei, um mein Genick nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen; aber logischerweise zuckte meine Gashand ohne mein bewusstes Zutun, wenn die Einheit Mopped-Ich oder Ich-Mopped geile Kurven erspähten! Dass dabei einmal das Hinterrad kurz wegschmierte, war uns dabei völlig egal: So ein kurzer Slide schiebt die Adrenalinpumpe zwar etwas an, aber mit der jahrelangen Erfahrung von uns beiden kriegten wir das locker in den Griff; im Gegenteil machte diese Beherrschung von Mopped und seinem Reiter sogar richtig Spaß!

 - Einschub:

Diese Story über mein Motorrad wurde in den vergangenen 21 Jahren beherrscht von Enttäuschungen, Reparaturen und den überaus vielen Bockereien der Z 650. Wirkliche Lust und pure Freude kann ich, alles zusammengefasst, nur mit etwa sieben oder elf Jahren beziffern.

Dennoch hatte ich dieses Mopped immer geliebt! Andere Biker hätten es schon zwei Jahre nach den ersten Schwierigkeiten in die Hölle geschickt; mindestens.

Sollte jetzt eine neue Ära beginnen, in der das Mädel unzickig wird?
Ich denke, das hätte ich verdient...

 - Ende Einschub -

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9. August 2012: Nachdem in den letzten Monaten kaum noch etwas Seltsames vorgefallen war, außer dass die Maschine sogar nach längerem Stehen ansprang,wurde es offenbar wieder einmal Zeit für ein Desaster!

Dass der Motor nach einer Standzeit von über drei Wochen problemlos seine Arbeit aufnahm, ist eigentlich keiner Erwähnung wert; jedenfalls nicht bei einem Besitzer eines normalen Motorrades. Hier will ich es aber noch einmal deutlich erwähnen!

Ich fuhr zum Einkaufen, wobei aus dem direkten Weg von etwa drei Kilometern gute 14 wurden: Mit dem Mopped fährt man ja nicht direkt und zielgenau! Anschließend gondelte ich zu einem Gärtnertreffen, das fast direkt vor meiner Haustür lag, Fußweg rund fünf Minuten; dafür brauchte ich aber mit dem Mopped fast dreimal so lange, s. letzter Satz.

Nach dem Treffen, so um 19 Uhr, warf ich das Mopped an, um diese 15 Minuten der Hinfahrt mit einer 20-minütigen Heimfahrt noch zu toppen!
Bei der frohgemuten Abfahrt ging der Motor aus, mitten in der Wendung zur Ausfahrt dieses Gartenplatzes...

Ich stutze nicht schlecht; vor allem auch deswegen, weil ich in der engen Kehrtwendung von diesem Verhalten völlig überrascht wurde und fast umkippte! Es sind ja nur viereinhalb Zentner, die ich da unter Kontrolle bringen musste; bei meiner Statur allerdings zwei Zentner zuviel...

Ein neuer Startversuch schlug fehl, (hatte sich das der geneigte Leser etwa gedacht??!!), und auch nach mehreren Wiederholungen gab das Drücken auf den Startknopf nichts weiter her als  - nichts! Gar nichts! Keinen Ton! Auch die schweißtreibende Arbeit mit dem Kickstarter brachte nur den Erfolg, dass mein Knie schmerzte und meine Brille von Innen nass wurde; wie auch die Klamotten.

Der erste Gedanke: Sch...! Grrmbl! Bockmist! Mistbock!
Der zweite: Da hängt der Anlasser... Kennt man ja aus uralten VW-Zeiten...
Also ein Stück angeschoben, die Kupplung im zweiten Gang losgelassen, und -
völlig erschöpft festgestellt, dass der Mistbock für solche Aktionen in der Tat zu schwer ist! Jedenfalls für mich halbes Hemd.

Der kleine Ruck aber hätte den Anlasser lösen müssen, falls er wirklich gehängt hat: mit schwachem und deshalb zittrigem Daumen startete ich den Versuch des Startens und hatte Erfolg! Den gleichen allerdings wie vorher: es tat sich nix...

Logischerweise hatte ich mein uraltes Handy nicht dabei, das ich mir mit einer Prepaidkarte vor Jahren für solche Fälle zugelegt hatte! Wozu auch? Das Maschinchen lief ja die ganze Zeit ganz toll!
Hatte ich irgendwo schon erwähnt, dass ich ein rechter Depp sein kann?

Glücklicherwseise war noch ein Mitgärtner da, der sogar ein Handy hatte: Also flugs den ADAC angerufen ...
... und eineinhalb Stunden gewartet! Hunger und Durst quälten mich so fürchterlich, dass ich einfach nicht länger warten konnte und mich nach Hause schleppte; aus dem normalerweise fünf Minuten-Fußweg wurden dabei satte sieben Minuten.

Am Wasserhahn meinen Tank aufgefüllt, eine halbe Käsebockwurst runtergeschlungen, die andere halbe und das Handy eingepackt und wieder den ADAC angerufen: "Ja, der Kollege war da, hat Sie aber nicht gefunden! Und da Sie auf Ihrem Handy nicht zu erreichen waren, hat er die Aktion abgebrochen!"

Nun muss man sagen, dass ich die Handynummer meines Gärtnerkumpels nicht durchgegeben hatte, weil dieser sich gleich nach dem Hilferuf nach Hause verfügt hatte. Dazu kommt erschwerend, dass dieser Platz von vielen Gebäuden umgeben ist und nur eine winzige Zufahrt hat, die das Navi des Gelben Engels offenbar nicht kannte!

"Nun ja, dann geben wir einen neuen Auftrag durch!" meinte die nette Dame, "lassen Sie aber Ihr Handy eingeschaltet, falls es erneute Schwierigkeiten gibt!"

Es wurde dunkel diesem 9. August; also musste es schon relativ spät sein. Eine Uhr besitze ich nicht, und die des Kirchturmes in der Nähe war nicht sichtbar, weil es dunkel geworden war...  Die andere Hälfte der Käsebockwurst hatte ihre Energie in mir verloren, so dass sich schon wieder mein Magen meldete; fast gleichzeitig auch mein Handy! Ich war ungeheur erschrocken, weil dieses Handy noch nie geklingelt hatte: schließlich war es nur zum Notanrufen gedacht, und nicht zum Angerufenwerden!

"Ich bin gleich da; wo kann ich Sie finden?"
"Ich komme an die Hauptstraße bei der Philharmonie, direkt an der Fußgängerampel!"
Ein lockerer Weg von knapp einer Minute, einige Treppen hoch; drei Minuten Wartezeit an der Ampel.
"Wie, zum Teufel, kommt man denn auf diesen Platz?"

Ich stieg ein, lotste ihn 50 Meter weiter ums nächste Eck und dann nochmal 20 Meter weiter in die Zufahrt zu diesem ein Stück unterhalb des Straßenniveaus liegenden Platz zu meinem Mopped.

"Das hätte ich genau so wenig gefunden wie meine Kollege vorher!"

'Super, Ihr Navi!' wollte ich sagen, verkniff es mir aber, wie auch andere Bemerkungen zur Auffindung havarierter Fahrzeuge im Dschungel der Großstadt oder abseits einsamer Landstraßen...

Endlich unten am Mopped rief der Gelbe Mann: "Mann, die hübsche Kawa! Da war doch kürzlich was mit dem Benzinhahn?" Enorm, dieser Ausspruch, zumal das mit dem Benzinhahn schon am 5. März war, also fast ein halbes Jahr her!

Engelchen unternahm viele Versuche, wobei ich ihn auch untersützen konnte: schließlich kenne ich die Maschine fast so gut wie mich selber; bis halt auf die Elektrik. Daran hapert es wohl: eine solche besitze ich nämlich nicht! Jedenfalls keine super verkabelte 12 Volt-Elektrik ohne Macken.

Auch selbst mehrere überaus kräftige Versuche, die Maschine anzuschieben, entlockte dem Motor nur ein höhnisches 'Nichts-zu-machen'!

Fazit: Sämtliche Elektrik ist in Ordnung, wie Licht, Blinker, Armaturenanzeigen; lediglich die Zündung ist unterbrochen, wie ein Test der Zündkerzen mit gleichzeitigem Treten des Kickstarters ans Licht brachte, das leider um diese Zeit, - etwa gegen 22 Uhr -, schon so gut wie nicht mehr vorhanden war: die funzelige Laterne neben dem Mopped lieferte nicht genug davon, um weitere Tests an den Kabelsträngen durchführen zu können.

Die Idee des inzwischen gar nich mehr so gelben Engels: "Der Kill-Schalter hat den gleichen Effekt, den wir hier vorfinden; er stoppt die Zündung und damit auch den Motor in einem Notfall, lässt aber alle anderen elektrischen Verbindungen bestehen! Tipp: Diesen Not-Ausschalter auseinander nehmen und kontrollieren! Und was machen wir jetzt? Ihre Garage is doch nicht weit weg, wie ich mich erinnere?"

Elefantenhirn hatte vollkommen recht! Nicht nur mit der Garage, die ihm noch in Erinnerung war, sondern auch mit dem Killschalter! Saugute Idee!

Er bot sich an, - nach meinen verzweifelten Äußerungen, dass ich das Motorrad hier in dieser einsamen Gegend nie und nimmer über Nacht alleine stehen lassen würde -, beim Schieben auf die Straße zu helfen.

Etwas skeptisch war er schon, der Engel, da die Auffahrt zur Straße recht lang war und überdies auch noch ansteigend verlief! Mit einem überzeugenden "Yes, we can!" -  das ich aufgeschnappt hatte bei einem Wahlkampf in Amiland - konnte ich ihn motivieren, und:
Wir schafften es! Herzlich gratulierte ich ihm zu diesem Anschub und schüttelte kraftlos seine Hand...

Ich war völlig fertig und wartete auf neue Energie, um das eisenschwere Teil weiter zu schieben: weit war es ja nicht mehr. Gut fünf Minuten gönnte ich mir zur Erholung; während dieser Zeit kam der Pannenwagen nicht an mir vorbei! Sollte er etwa eine Panne haben oder mit seinem Navi den Ausgang von diesem Platz nicht finden? Wahrscheinlicher aber, dass er seinen Bericht schrieb.

Obwohl meine körperliche Energie nicht aufgetankt werden konnte - (wie auch! Es war kein Rest Käsebockwurst mehr da und auch kein durstlöschendes Wasser in der Nähe; und selbst eine Selbstgedrehte war nicht drin, weil meine Finger schon zu schwach waren) - schob mich ein Rest geistiger Energie dazu an, das Mopped weiter zu schieben! Allerdings nicht sehr weit:

Nach 20 Metern musste ich erkennen, dass hier Endstation war! Die Doppelstraße, getrennt durch einen baumgesäumten Parkplatzstreifen, legte mir an diesem Fußgängerüberweg der Ampel unüberwindliche Hindernisse in den Weg. Gut vier Zentimeter hohe Bordsteine konnte ich keinesfalls mit dieser schweren Last überwinden, und das auch noch zwei Mal:
 
Runter über die erste Straße würde es ja noch gehen; aber dann die erste Hürde über den Mittelstreifen!

Vom Mittelstreifen runter wäre auch okay; aber dann über die Parallelstraße wieder hinauf auf den Gehweg, der nach einer Drehung nach links gut 30 Meter in den Hof meiner Garage führen würde, wo auch noch eine 90°-Wendung nach rechts und einige kleine Huppel zu überwinden wären?

Schlichtweg unmöglich, ohne dass mir das Mopped aus den schwachen Händen gleiten und krachend Schlagseite erleben würde, zusammen mit mir...

Völlig willenlos stellte ich das Motorrad vor diesem Fußgängerübergang ab, an einem halbhell beleuchteten Bürogebäude, fast direkt vor dessen Briefkästen: total ungesichert, weil das Lenkradschloss schon seit Jahren kaputt ist und ich natürlich das schwere Speichenschloss nicht in der Hosentasche hatte!
Ich wollte nur noch heim, die letzten 50 Meter, um endlich etwas zwischen die Beißerchen zu kriegen, Wasser in Unmengen zu trinken, und, ganz ehrlich, eine Selbstgedrehte zu rauchen...

Nach einer Erholungsphase würde ich dann einen neuen Anlauf starten, um mein Mopped in seine Heimatgarage zu bringen; so jedenfalls war mein Plan, um etwa 22 Uhr 30.

Halbwegs erholt schlurfte ich mit dem schweren Schloss zurück, direkt in die Arme meines Garagenuntermieters, der eben zurück von einem Ausflug kam:
"Kein Problem!", meinte der junge und sehr große Nachbar: er sprintete rüber, setzte sich auf mein Mopped und düste in der Art einer Draisine ab in die Garage, sämtliche - für mich fast unüberwindbaren - Hürden und Kurven mit einem Lachen nehmend, und er ahmte dabei auch noch meinen Motor nach: "Brumm, brrrummm..."

Es sieht schon lustig aus, wenn ein so großer Kerl meine Maschine zu einem Spielzeug werden lässt: ich komme ja gerademal mit den Zehen auf den Boden!

Immerhin konnte ich jetzt beruhigt sein, zumindest, was die Sicherheit des Moppeds betraf; die Probleme allerdings waren alles andere als beruhigend...

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12. August 2012: An diesem Sonntag entschied ich mich, noch einmal den ADAC zu rufen! Ich hatte den Not-Ausschalter auseinander genommen und die Kabel überbrückt, aber der Startknopf verweigerte nach wie vor den Dienst.

Diesmal wartete ich nur etwa 20 Minuten, es war etwa 14 Uhr; und als der Gelbe Engel in den Hof einfuhr, meinte er gleich beim Aussteigen: "Na, wie geht es Ihrem Garagenkollegen mit der defekten Bremse?", dabei leicht grinsend! Er war nämlich vor zwei Monaten schon mal hier, um meinem Untermieter auf die Bremssprünge zu helfen...

Nach meinen vielen Erklärungen, was der Kollege schon am Donnerstag unternommen hatte, begann er mit elektrischen Messungen und hörte erst nach einer Dreiviertelstunde wieder auf mit den Worten: "Äußerst seltsam! Ich komme nicht dahinter! Aber so viel ist klar: Die Zündspulen kriegen keinen Strom, und auch die Kabel des Killschalters nicht: an diesem kann es also nicht liegen." Lustigerweise hatte er die beiden Kabel des Killschalters nur mit den Fingern zusammen gehalten, also 'überbrückt', und dabei keinen Stromstoß verspürt... So kann man also auch einen Stromfluss messen!

Die Frage nach einem Abschleppen am Montag in die nächste Werkstatt musste ich beschämt verneinen: "Nix Knete..."

"Na, dann besorgen Sie sich einen Stromflussplan, der Schaltplan alleine genügt nicht! Und dann messen Sie jedes einzelne Kabel des Kabelbaumes, bis Sie den Fehler gefunden haben!"

Um nicht wieder eine beschämende Antwort geben zu müssen, etwa in der Art: 'Von Elektrik habe ich so viel Ahnung wie ein Huhn vom Eishockey! Aber immerhin kann ich messen, wie voll die Batterie noch ist...', sagte ich also lieber nichts.

Mein dummes Gesicht verriet mich aber wohl bei diesem Nichtssagen, so dass der Engelsgelbe einlenkte: "Zuerst Zünschloss überprüfen...", wobei ich sofort fachmännisch einwarf: "Neues letzten Herbst eingebaut!" ... "Dann die Kabel im Lampengehäuse überprüfen...", wobei ich blitzartig konterte: "Im letzten Herbst überprüft und repariert!"
"Nun denn... alles nochmal von vorne!"

'Nun denn', dachte ich, 'alles Kacke...'

Der Retter der Entnervten musste an einen anderen Einsatzort: zu einem PKW auf der Standspur der Autobahn, der dort schon fast eine Stunde auf einen Gelben Engel wartete, weil ein genervter Moppedbesitzer Werkstattleistungen in seiner Garage beanspruchte! Arme Sau, dort auf der Autobahn... Entschuldige, bitte!

Völlig nervenlos schleppte ich mich die vier Häuser weiter in meine Wohnung, entledigte mich meiner durchgeschwitzten Kleidung bezwecks eines Duschbades, (ausnahmsweise war dies ein heißer Sommertag in diesem wetterverrückten Jahr), als ich das Telefon klingeln hörte: Schamlos nahm ich ab und vernahm die aufgeregte Stimme meines Nachbarn: "Ich steh' vor unserer Garage und kann nicht rein, weil alles voller Benzin ist!"

'Nun denn', dachte ich, 'alles Kacke...', sprach es aber nicht aus, sondern flitzte flugs hinunter und vier Häuser weiter!

Glücklicherweise dachte ich in der aufkommenden Panik noch daran, nicht nur meine Brille aufzusetzen, sondern auch T-Shirt und Jeans wieder überzustreifen und in die Sandalen zu schlüpfen.

Mein Nachbar stand am Straßenrand und rauchte eine; es stank gewaltig hier! Das lag aber nicht am Tabak, sondern am Benzindunst, der aus dem Hof hinter dem Haus bis auf die Straße wehte...

Durch das offene Garagentor konnte ich schon aus der Mitte des Hofes, den hinten und rechts ingesamt acht Garagen einrahmen, eine Lache erkennen, die sich von links hinten bis fast ans Tor zog und dabei fast die halbe Breite des Garagenbodens ausfüllte!
Auf der rechten Seite stand mein Mopped im Trockenen, ohne Tank:
Diesen hatte ich nämlich abgebaut, um dem ADAC-Menschen besseren Zugang zu den Kabeln zu gewähren; auf die flache Altöl-Auffangwanne hatte ich ihn platziert, um den Benzinhahn nicht auf dem Boden aufliegen zu lassen. Ich erinnerte mich, dass ich noch beim Schließen des Tores zurückgeschaut hatte und bemerkte, dass der Benzinhahn auf der Wanne auflag und schob den Tank etwas weiter nach links, damit der Hahn - nun frei neben der Altölwanne - keinem Druck mehr ausgesetzt war.
Bei dieser Schiebung hatte sich offenbar der Benzinhahnverschluss eine Winzigkeit geöffnet und etwa zehn Litern Sprit den Weg in die Garage geebnet!

Inmitten dieses fürchterlichen Gestankes, bei dem einem das Atmen schwer fiel, klaubte ich Lumpen zusammen, die von Arbeiten am Mopped des Nachbarn nachlässig auf den Boden zurückgelassen wurden und jetzt natürlich trieften. Ich stopfte das Zeug in einen Plasticksack für Recyclingstoffe, den der Nachbar hilfsbereit aufhielt; mit weiteren Lumpen aus der trockenen Seite putze ich die nassesten Flecken auf dem Boden und auch die Altölwanne, die ich inzwischen vom Tank befreit hatte. Bei dieser Bodenputzaktion blieben eine Menge Lackteile an den Lappen hängen, weil der Sprit natürlich den im Frühjahr neu aufgetragenen Bodenbelag aufgelöst hatte, den ich jetzt teilweise wieder abwischte... 'Kaution ade!' dachte ich dabei...

Nach einigen Unterhaltungen mit meinem Untermieter in der weniger stinkenden Luft vor der Garage ging ich zurück, um etwas zu suchen und schob dabei die Altölwanne etwas auf die Seite, die ich zuvor senkrecht an eine Werkzeugkiste gelehnt hatte, um sie besser abwischen zu können. Ihr glaubt es kaum, aber es ist wahr:
Drunter lächelte mich höhnisch grinsend eine kleine Lache Altöl an, die unerlaubterweise durch den undichten Ausguss-Schraubverschluss das Weite suchen wollte! Unfassbar!
Wieder mussten einige Lappen dran glauben und auch der Boden, den ein neuer Fleck verschandelte...

Wenn Unglücksrabe Donnerhuf zuschlägt, dann aber richtig!

Andererseits, wie schon so oft, war auch eine gehörige Portion Glück dabei: Hätte ich nicht nach diesem Etwas gesucht, wären dreieinhalb Liter Altöl aus dem Behälter über den Boden geflüchtet...

Um dieser unglücklichen Episode endlich die Spitze zu geben:

Den Plastiksack mit den spritgetränkten Lappen vergaß ich natürlich!

Tags drauf fiel es mir siedendheiß ein, und ich düste wieder rüber: Logischerweise hatte der Sack dem Benzin kein Paroli bieten können und war vor lauter Traurigkeit an vielen Stellen zerflossen!

Dieses Gemantsche packte ich kurzerhand in einen alten Kopfkissenbezug, der eigentlich für das Polieren meiner geliebten, saudummen Maschine gedacht war, und radelte ihn zur Deponie; die fragend hochgezogenen Augenbrauen des Wächters übersah ich dabei geflissentlich.

Ja, was weiter jetzt? Keine Ahnung.

Letzte Nacht habe ich geträumt von einer Schlagzeile in der gößten und billigsten Tageszeitung:

<<Kawasaki-Motorrad im Rhein entdeckt! Der Besitzer hing noch am Lenkrad! Eindeutiger Beweis, dass hier eine Schiebung stattfand! Offenbar ließ der Halter die Maschine bei der Versenkung nicht los: gemeinsamer Suizid? Polizei, FBI, BND, GSG9, Greenpeace und Alienforscher alarmiert! Eine im Internet entdeckte, 20-jährige Story finden Sie in einer Exklusiv-Ausgabe, für nur siebenfuffzig: morgen ab 14 Uhr am Kiosk Ihres Vertrauens!>>

Allen Ernstes fragte ich mich während des Aufwachens nach dem Honorar für diese Story...

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22. Oktober 2012: Mir war nix anderes übrig geblieben, als auf die angebotene Hilfe eines ehemaligen Arbeitskollegen zu warten, der mir schon einmal zur Seite stand, vor über einem Jahr, glaube ich. Da der aber trotz Nachfrage nicht auftauchte, blieb mir nix, als mich selbst dran zu machen!

Zuerst rupfte ich das halbe Mopped auseinander, was keinen großen Aufwand bedeutete; ich hatte ja schon Erfahrung damit. So sah das also aus: 

         


Danach zog ich von der Hauptgabelung des Kabelbaums über den Vergasern einen ummantelten, fünfadrigen Kabelstrang ein, der bis zur rechten Lenkerarmatur führen sollte: dass dabei diverse Pannen, Ausrutscher, Missverständnisse und Dummheiten des laienhaften Schraubers die Arbeiten bei herrlichstem Herbstwetter in die Länge zogen, mag ich hier gar nicht detailliert beschreiben... Ihr habt beim Lesen eh schon sehr viel aushalten müssen!

Nur das Ende des knapp zweistündigen Schraubertages an diesem Montag sei hier noch zur weiteren Belustigung des Lesers erwähnt:

Den fetten Kabelstrang hatte ich endlich gut verlegt und wollte die Lenkerarmatur wieder schließen.
Hähä, da gab es natürlich wieder einmal ein Aber:

Erstens: Das Isolationsband, das ich heute verwendet hatte, nachdem das neue am Samstag bitterlich zur Neige ging, hatte im Laufe der Zeit in meiner Schreibtisch-Schublade erheblich an Klebrigkeit verloren: ich musste es komplett wieder die letzten 20 Zentimeter abwickeln, sofern es nicht von selbst seinen Halt verlor.

Zweitens hatte ich eines der beiden Kabel, die zum Not-Ausschalter führen, einen Zentimeter zu kurz verlegt...
Hey! Mach mal ein Kabel mit Quetschverbindern um einen Zentimeter länger!!! Die sind selber schon zusammen 2,5 cm lang! Dann passt der Rest des Kabelstranges nicht mehr akkurat...

Und die kleinen Abzweigungen der Kabel kurz vor dem Lenkerende hatte ich beim Zusammenbau irgendwie verdreht, so dass ich sie wieder lösen und neu verlegen musste: zum Glück hatte ich dort nicht gelötet!

Drittens hatte ich (glücklicherweise!) entdeckt, dass einer der beiden Gaszüge direkt am Griff einen kleinen Bruch hatte; er muss erneuert werden. (Erklärung für Laien: Es gibt einen Öffnungs- und einen Schließzug; beide steuern also die Vergaser. Wenn jetzt z.B. der Schließzug reißt, kriegen die Vergaser und somit der Motor ständig volle Pulle; bei einer Autobahnhetze ist sowas ja durchaus denkbar, aber nicht im Stadtverkehr oder bei einem scharfen Knick der Landstraße... Zudem muss man auch noch den Motor auskriegen dabei, zum Beispiel durch Drehen des Zünschlüssels, was in voller Pulle in einer Kurve auch nicht gerade einfach ist.
Wer jetzt auf die grandiose Idee mit dem Killschalter kommt, der ganz easy mit dem Daumen der rechten Hand zu betätigen ist, dem sage ich Folgendes:
Ich hatte einmal aus reiner Neugier probiert, was passiert, wenn ich diesen Notausschalter bei gut 70 km/h betätige. Das abrupte Stoppen des Motors hätte mich um ein Haar über das Lenkrad katapultiert! Glücklicherweise sind meine Reflexe sehr schnell, so dass ich unbewusst die Kupplung zog und nach ein paar Metern Rollerei diesen blöden Schalter wieder auf AN stellte.)

Viertens wusste ich nicht sicher, ob ich keinen Bock mehr hatte oder nur Frust.
Eine Gedanke, den ich hier schon vorher erwähnte, schlich sich wieder ein: ab in den Rhein, mit uns beiden?

Ein anderer Gedanke durchzuckt mich auch gerade: Wenn ich mein zweites Buch veröffentliche und diese Story dort unterbringe: in welche Kategorie würde diese Geschichte fallen? Dramatik, Humoristik, Kawasaki-Historie oder allgemeine Hysterie?
(Anm. d. Autors 2014: Ich habe diese Story nicht in das Buch aufgenommen; sie fiel wegen Hardcore-Verdacht meiner Zensur zum Opfer.)

23. Oktober 2012: Ich sang um etwa 17 Uhr in der Garage die Strophe eines Hits von Nena: "Wunder geschehen..."
Jawoll ja!

Nachdem ich den Schnitzer mit dem zu kurzen Kabel gelöst hatte, fasste ich nicht nur das frei herabhängende Zünschloss mit der Hand, sondern auch meinen ganzen Mut zusammen: Schlüssel rein, gedreht auf Startposition, den Startknopf der noch nicht befestigten Lenkerarmatur gedrückt: und der Anlasser müpfte auf! Kurz zwar nur, weil die Batterie ziemlich schwach auf der Brust war, aber immerhin gab dieses Dingens Töne von sich! Vorher war ja nur absolute Stille beim Startknopfdrücken zu hören gewesen...

Frohgemut und voller Tatendrang beschloss ich, mich damit nicht zufrieden zu geben: Der andere Kabelmist muss auch raus und erneuert werden! Jawoll!

Dummerweise hat dieser Kabelbaum in Richtung Lampengehäuse enorme Ausmaße: rund 20 Kabel tummeln sich hier, die sich zusätzlich noch mehrfach verzweigen: vorwärts in die linke Lenkerarmatur, in die vordere Mitte, nach hinten zunächst nach hier und dann dort, und von da aus nochmals nach dort und hier.

Wie, Sackzement, soll ich das gebacken kriegen?

Zuerst musste ich Unmengen an Isolierungsbändern lösen, teils doppelt und dreifach übereinander gewickelt, bis die einzelnen Kabel zum Vorschein kamen; und das waren echt viele! Bei einem Naseputzen zwischendurch bekam ich die Tempo-Reste kaum mehr von den Fingern ab, so pappte das alte Zeug!

Ruhig, vernünftig, besonnen und wohlüberlegt - also außer Rand und Band - begann ich also, die relativ wenigen Kabel zum linken Lenkerende zu separatieren und mit Fähnchen zu kennzeichen: Ihr wisst schon, wie man das macht? Ich aber wusste es nicht, denn ich machte einen Fehler:

Die  roten Isobandstückchen kennzeichnete ich mit einenm Bleistift, etwas anderes hatte ich nicht parat. Schon nach der fünften Kennzeichnung erkannte ich, clever, - wie ich manchmal sein kann -, dass das nie funktioneieren würde: Beim Zusammenpappen der Fähnchen verwischte mein Finger die Bleistiftschrift... Dummerweise waren auch die vier vorhergehenden Kennungen schon beinahe unkenntlich, die ich schon getrennt hatte: War das nun 2 an 2 oder 4 an 2 oder 4 an 4? Handgekritztelt und halbverschmiert ist das ein echtes Problem!

24. Oktober 2012: Mit einem Permanentschreiber bewaffnet, wie man ihn zum Beschriften von CDs benutzt, begab ich mich wieder an die Arbeit und beschriftete alte Fähnchen neu, und die neu gekappten Kabel ebenfalls. Das sah richtig hübsch aus, wie das Chaos so in der Gegend herumbaumelte, bescherte mir aber doch ein mulmiges Gefühl: sollte ich das jemals wieder zusammenkriegen? Und dazu auch noch funktionierend? Ich verzweifelte fast an einer Kabelführung, die einzeln von oben ankam und dann drei verschiedene Richtungen weiterführte, und in dieser Richtung auch nochmal dreifach abzweigte! Ein anders Kabel verhielt sich ähnlich chaotisch: Es kam doppelt an, führte einfach weiter, verzweigte zu drei anderen, die wiederum in andere Kabelstränge doppelt und dreifach in die Irre führten!
Was ich allerdings erst bemerkte, nachdem ich wieder einmal sämtliche Isolationskabel entfernt hatte, die gnadenlos alle Führungen verhüllten... und ebenso gnadenlos verpappt waren, dass meine Finger fast aneinander kleben blieben: Naseputzen oder Zigarettedrehen war völlig unmöglich.

Ich beschloss, ganz stur die Nummerierung fortzusetzen: was an beiden Enden z.B. 18 hatte, muss ja schließlich auch später wieder so zusammengehören, oder? Und wenn dreimal 18 vorkommt, dann ist das eben eine Verzweigung, oder nicht?

Bei Fähnchen 21 hatte ich schließlich den Kabelstrang zum Lampengehäuse endgültig getrennt; die anderen Kabelverläufe ließ ich unangetastet, weil ich erstens den Unüberblick so behalten wollte und es zweitens recht kalt wurde in der Garage.




Die rund 80 cm Kabelgewirr nahm ich mit nach Hause und wollte nun versuchen, die teils willenlosen Flickereien eines Vorgängers und auch meinerselbst in geordnete Kabelbahnen zu lenken: angefangen vom längsten Kabel, das zur Birne führt; nicht meiner, sondern der sog. Beleuchtungseinheit des Moppeds.

Die Kabellängen bereiten auch noch ein Problem: Schließlich will ich den Großteil wieder in einen dicken, ummantelten Strang bringen, wie schon vorher auf der rechten Seite zum Lenker. Dummerweise hat dieser Strang aber nur fünf Adern, und ich 21 Fähnchen! Also werde ich gehörig tüfteln müssen: Die Anschlüsse zur Mitte, wo ich den Kabelbaum gekappt hatte, werde ich erst vornehmen, wenn ich den oberen Teil ab Scheinwerfer und Zündschloss wieder eingebaut habe und dann erst die Kabel an den Rest in der Länge anpassen. Außerdem werde ich vier dieser dicken Kabelstränge brauchen, und ich weiß nicht, ob deren Durchmesser nicht zu groß sein wird für die Verlegung: möglicherweise muss ich die Ummantelung stellenweise entfernen.

Ach ja: Zu Hause habe ich festgestellt, dass mir eines der Fähnchen beim Nachhausetragen abhanden gekommen war... Nr. 14 fehlte! Zum Glück war es nur eines, sonst hätte ich echte Probleme bekommen! Die bekomme ich auch, wenn den Winter über einige Fähnchen an den Kabeln am Mopped abfallen... Dann geht es echt ab in den Rhein!

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Ende Oktober 2012: Mein Kater Flori spielte eines Morgens mit einem roten Stückchen Klebeband an mit der Nummer 6 drauf: mir schwante Übles!
Und tatsächlich fand ich am Lagerort - unter dem Küchentisch - eine Menge roter Fähnchen auf dem Boden, und alle trugen unterschiedliche Nummern...

Jetzt also ab in den Rhein, oder zuerst zum Mopped und Versuche starten und erst danach in den Rhein?

Die zweite Möglichkeit erschien mir plausibler: Was sollte ein eventueller Erbe mit einem Mopped mit auseinander geschnittenen Kabeln und ohne Fähnchen?

Auf dem Garagenboden feierten rote Nummernfähnchen ein lustiges Stelldichein, auch zwei grüne waren dabei, weil mir das rote Isoband ausgegangen war.
Mir war dabei gar nicht so richtig lustig zumute, auch wenn die beiden Grünen sich sichtlich wohl fühlten in der roten Pracht.

Kurzerhand entschied ich, dass mir das Mopped zu schwer war, um es bis an und dann in den Rhein zu schieben. Außerdem hatte ich nichts gefrühstückt wegen dem Schock, den mir Flori mit seinem Mitbringsel beschert hatte; ich war also schlichtweg zu schwach für eine solche Aktion.

In dem Moment, als mein enttäuschtest Haupt nach unten sackte und ebenso abfallen wollte wie die sogenannten Klebebänder, erkannte ich die Wahrheit:

In einer Art weiser Vorrauschau, die unterbusst abgelaufen sein musste, hatte ich die Kabel nur an jenen Stellen getrennt, die zweifelsfrei die selben Farben trugen! Ich dankte meinem Genius, schlenderte frohgemut zurück zu meinem verlassen Frühstück und nahm mir dabei den Kabelstrang vor: tatsächlich waren eine Menge Kabel kürzer oder länger als andere!

Ich hatte also die Kabel so getrennt, dass ich die andersfarbigen Ersatzstücke meines Vorgängers und von mir selber wegwarf, um in einem Notfall nicht dem Irrsinn verfallen zu müssen... Manno, war ich vielleicht clever; was ich völlig vergessen hatte.

So konnte ich also an den echtfarbenen Kabeln wieder Fähnchen anbringen, diesmal aber mit einem Abklebeband, das man für Renovierungsarbeiten benutzt: klebt echt wie Sau! Und lässt sich auch gut beschriften; von 1 bis 21.

Jetzt kam die Frage auf, wie ich das Wirrwarr zu Hause in einen adretten Kabelstrang verwandeln könnte?

Beim Bosch-Dienst erstand ich 20 Meter Kabel: leider nur in acht verschiedenen Farben, dafür aber auch leider in zwei unterschiedlichen Dicken: 1,5 und 2,5 mm². Egal, was soll's: Die Fähnchen halten, und wenn die Kabel und ihre Verbindungen auch halten, dann interessiert mich das in vierzig Jahren sicher nicht mehr, ob im Kabelbaum ein Farben- und Durchmessergewirr herrscht!

Drei Mehrfach-Steckverbindungen (also sechs Stück) und Reste aus der Werkstatt von Kabelschläuchen von insgesamt 1,5 Metern, durch die ich meine künftigen Kabel ziehen wollte, kamen auch noch dazu. Der äußerst nette Verkäuferberater fragte sicherheitshalber noch, ob ich sonst noch was brauchen würde? Ach ja: vielleicht einige Quetschverbinder? Und so wanderten noch rund 40 dieser Verbinder in die Mercedes-Benz-Tüte dazu mit der grinsenden Bemerkung: 'Ist Verbrauchsmaterial aus der Werkstatt, was den Kunden pauschal immer berechnet wird...'

Für diese ganze Herrlichkeit zahlte ich 15 Euro ohne Rechnung! Zum Vergleich: Für einen 5-adrigen, isolierten Kabelstrang von einem Meter hatte ich woanders 10 Euro bezahlt; und die Quetschverbinder kosten im Autozubehör um die Ecke 6 Euro: für 12 Stück! Und hier bekam ich 40 dieser Dinger einfach so gratis dazu...

Ich bedankte mich artig und mit überschwenglicher Freude! Der gut vier Kilometer weite Rückweg mit dem Fahrrad bei miesem Herbstwetter kam mir vor wie ein Kilometer bei Frühjahrssonnenschein...

Mitte November 2012

... sitze ich immer noch da und warte auf eine Eingebung, die mich endlich an die Arbeit gehen lässt...

Andere dringende Projekte, wie z.B. meine Homepage über verschiedene Themen, schiebe ich als Entschuldigung vor!

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Anfang April 2013

Den ganzen Winter über hatte sich nichts getan; außer dass das Kabelgewirr sich so in meine Wohnung integriert hatte, dass ich es kaum noch wahrnahm. Selbst beim Putzen hob ich das Zeug hoch, machte drunter und drumrum sauber und ließ es wieder nieder, wie bei anderen Gegenständen auch.

Plötzlich jedoch durchzuckten mich Frühlingsgefühle, als endlich mal der Himmel aufging und sich die Sonne zeigte! Eine echte Rarität in diesem Jahr bisher: Die Wetterfrösche deklarierten diesen Winter als den sonnenärmsten seit 49 Jahren! Und dieser März war der kälteste gar seit 60 Jahren!

Kein Wunder, dass mir die Kabel nicht mehr aufgefallen waren; in dem trüben Licht hatte ich sie wohl kaum noch bemerkt...

Jetzt aber: ran!

In zwei Tagesschichten zu je vier Stunden heilte ich die etwa 10 Meter Kabel oder erneuerte sie komplett und stellte dabei fest, dass zweie davon keine Markierung trugen... Sauber, sehr sauber!
Wie soll ich bitteschön die Anschlüsse dafür wieder finden, am Kopfende des Moppeds?
Na ja, eigentlich nicht so tragisch; es sind ja nur zwei zur Auswahl, das kriege ich schon gebacken, dachte ich voller Sarkasmus!

Ich will ja nicht sagen, dass ich pessi- oder optimistisch bin in dieser ganzen Sache; eher neutral in Richtung negativ. Bisher jedenfalls.
Bei dieser Feststellung allerdings überfielen mich regelrechte Ängste!

Das geringste Übel wäre, dass hie und da oder auch dort irgend etwas nicht funktionieren wird. Es könnte aber auch durchaus sein, dass beim Herumdrehen des Zündschlüssels Wolken aufziehen, Blitze aufzucken und alles in Schutt und Asche legen!

Na ja, wir werden sehen in den nächsten Tagen, falls es tatsächlich endlich Frühling werden sollte, was ich da wieder zusammenbasteln kann. Dazu muss natürlich noch gesagt werden, dass ich die anderen Enden, also ab etwa der Mitte des Moppeds bis nach hinten, auch noch erneuern muss. Von dem abgesehen, ob die Anschlüsse der neuen 21 Kabels plus acht Mehrfach-Verzweigungen auch wirklich alle korrekt sind und an die anderen, noch maroden elektrischen Leiter passen...
Eine kleine Unachtsamkeit beim Neubasteln, und: Blitz und Donner! Oder auch: gar nix...

Ach ja: Die ganzen Verzweigungen ab der Mitte bis in die beiden Enden des Lenkers müssen natürlich auch stimmen! Wäre schon peinlich, wenn beim Einschalten des Lichts der Seitenständer ausfährt und die Hupe dabei den ganzen Umkreis von diesem Debakel informiert...

Hier das neueste Bild eines Teils dieser neuen Elektrik, mit rund acht Metern neuer Kabel und einer Menge neuer Verbindungen; sieht eigentlich ganz adrett aus, oder?



Hatte ich übrigens schon irgendwo im Lauf dieser viele Jahre dauernden Geschichte erwähnt, dass ich keinesfalls ein Bastler vor dem Herrn bin, sondern eher den schönen Künsten zugeneigt, wie etwa als Balettschüler im Tutu? Oder als Dirigent von Apassionata im heimischen Wohnzimmer? Da habt ihr's: Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was für eine Qual das ist für einen solch zart besaiteten Menschen...

24. April 2013: Endlich schaffte ich den Gang in die Garage, weil das Wetter viel zu herrlich war, um in der Natur herumzuradeln! Bei fast sommerlichen Temperaturen um die 25° hockte ich mich vor das Mopped und grübelte eine ganze Weile, wo und wie ich anfangen soll, um das ganze Zeug wieder an seine ursprünglichen Plätze zu bringen.


Einer genialen Eingebung folgend begann ich ganz vorne, also im Scheinwerfer (siehe Bild oben, auf dem dieser Scheinwerfer noch gar nicht dran ist), und befestigte alle äußeren Teile provisorisch, damit das Mopped einen nicht mehr ganz so kahlen Eindruck machte: das gefiel mir schon sehr gut! Obwohl ich natürlich keine Ahnung hatte, ob die Anschlüsse auch alle richtig sind. Ein Anschluss aber machte mich nicht nur besonders stutzig, sondern ließ mich fast verzweifeln: Zwei Kabel (Nr. 12 und 17) hingen an einem markanten Steckerchen, dessen Gegenstück ich einfach nicht finden konnte: Wo zum Teufel trieb sich das andere Teil herum?

Während einer Stärkungspause bei einer Selbstgedrehten beschloss ich, nicht das HB-Männchen zu spielen (wer kennt das noch aus den etwa 1970er Jahren?), sondern ruhig und logisch vorzugehen: Das blöde Teil hängte ich an das Lenkerende und hoffte, in drei oder vier Monaten das Gegenstück zu finden, wenn die restlichen Kabel, - so der Kawasakigott will -, wieder zu- und ineinander gefunden haben...

Etwa zweieindreiviertel Stunden bastelte ich so vor mich hin und ließ mich nicht ablenken auf der Suche nach zueinander passenden Nummernfähnchen, deren Kabelenden ich sorgfältig und liebevoll mit Quetschverbindern ineinander fügte und mit Schrumpfschäuchlein gegen jegliche Umwelteinflüsse immun machte. Sollte sich später ein Defekt an der jetzt neu zusammengebastelten Elektrik zeigen, könnte ich ja immer noch alles wieder abisolieren und von Vorne anfangen!

Also verließ ich das Mopped mit einem Tätschler nach den jetzt doch schon sieben von den 21 einfachen Verbindungen; an die Vielfachverzweigungen dachte ich nur im Alptraum der folgenden Nacht.

Der momentane Stand hier:



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August 2013: 
Irgendwie vertrieb ich mir die Zeit der letzten Monate seit Ende April mit allem Möglichen, außer dem Kabelsalat.

Plötzlich aber trat mir mein zweites Ich dermaßen in den Hintern, dass dieser Tritt mich direkt in die Garage beförderte!


In etwas mehr als zwei Stunden hatte ich die Kabel zusammengequetscht; allerdings achtete ich nicht auf die korrekte Länge und Lage der Kabel, da ich sie alle auf meine Arbeitsseite gelegt hatte, wie auf dem vorigen Bild zu sehen ist: kürzen und anders verlegen und in Kabelschläuche packen und isolieren konnte ich sie ja immer noch, nach dem Test auf Funktionalität!
Einen neuen Abisolierer würde ich aber besorgen müssen, denn der jetzige gab etwa acht Verbindungen vor Schluss auf.

Ach ja: Die Lösung des kleinen Steckers ohne Gegenstück hatte ich auch gefunden, dank einem Hinweis von Markus, den ich schon früher oft erwähnt hatte! Die beiden Kabel führten ursprünglich zum Blinksummer, den ich vor etwa 18 Jahren abgebaut hatte, weil mich das Geräusch so sehr nervte... Also quetschte ich den Stecker ab und isolierte die Kabel für alle Zeiten.

Die Batterie war einen Tag später wieder geladen und ich - nach dem Versuch in der Garage - auch, aber andersrum, denn:
Außer der Leerlaufkontrolle und dem Bremslicht (aber nur beim Pedaldrücken) ging rein überhaupt gar nichts!

Starr vor Enttäuschung hockte ich eine gefühlte Ewigkeit vor dem Mopped, bevor ich mich nach Hause zurückschleppen konnte.

Mitte September 2013: Dies ist auch der Stand der Dinge jetzt: Ich habe keinen Schimmer einer Idee und auch keinen Bock mehr.

Wer jetzt auf die geniale Möglichkeit aufmerksam machen möchte, mir einfach einen neuen Kabelbaum zuzulegen, kennt meine begrenzten finanziellen Möglichkeiten nicht! Zudem ist es verdammtnochmal auch nicht gerade einfach, einen solchen kompletten Kabelbaum einzubauen! Basta!

In diesem Monat wäre auch wieder TÜV fällig gewesen; aber das Mopped kennt ja schon das Ritual der Überziehung um ein Jahr.

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Mitte Oktober 2013: Nach vier Wochen Frust und Nichtstun gab ich mir mal wieder einen riesigen Tritt in den Hintern.

Vielleicht war ja nur die Batterie schuld, die nicht mal mehr 12 Volt Saft hatte? Ist zwar unsinnig, dieser Gedanke, denn das hätte wenigsten für ein halbes Blinklicht gereicht! Aber irgendwie musste ich mich ja motivieren: also Batterie zu Hause laden, mal wieder.

Mit 13,6 Volt unter dem Arm schlich ich mutig und dennoch mit hängenden Schultern tagsdrauf in die Garage, schloss die Batterie an und drehte den Zündschlüssel: Diese meine hängenden Schultern bewegten sich keinen Zentimeter nach oben, weil sich - wie erwartet - nichts tat; nur die blöde Leerlaufkontrolle grinste mich grün an, und der Blinker tat immer noch das, was er schon vorher gemacht hatte: nicht mal zucken...

Von Enttäuschung aber keine Spur.

Ich war nur zornig. Aber gewaltig!

Und dieser Zorn bewegte meine Hände in den Kabelsalat und wollte ihn eigentlich komplett herausreißen, als mich das linke Blinklicht fröhlich anzwinkerte!!

Vor lauter Schreck ließ ich die Kabel alle los, und das Blinklicht schwieg wieder still vor sich hin...

Na also, nur ein Masseschluss!

- Einschub:

Für andere Laien und mich selbst eine kleine Erklärung, was das heißt:
Strom kommt von irgendwo her und muss irgendwo hin, und zwar in die richtige Richtung, damit etwas funktioniert. Stimmt aber die Richtung des Abflusses nicht, wie zum Beispiel durch eine unmögliche Abzweigung, die etwa über ein Metall läuft, das mit eben diesem richtigen Fluss gar nichts zu tun hat (beispielsweise dem Rahmen des Motorrads), dann stimmt halt der Fluss nicht, und es ergibt sich stattdessen ein Stau. Wie auf der Autobahn, wenn sich vorne ein Unfall ereignet hat: Nichts geht mehr, man flucht und schwitzt, aber alles hilft nix, bis jemand die Ursache auf der Bahn entfernt hat und die Bahn wieder frei ist.

- Einschub Ende -

'Klar', gab mein zweites Ich zur Kenntnis, 'was sonst, als ein Masseschluss, du Depp?'

'Selber Depp!' konterte ich, 'hättest du diese Weisheit nicht für dich behalten, könnten wir schon seit drei Wochen herumgondeln!'

'Ein gescheites Hirn wäre auch von alleine darauf gekommen und hätte mich dazu nicht gebraucht! Das war nur eine Lektion: denk' in Zukunft auch mal alleine, du Hirni!'
 

'Noch eine solche Beleidigung, und du fliegst raus!!!'  tobte ich.

Danach war Ruhe im Kasten.

Dem Leser, der meine Bücher noch nicht kennt, muss ich hier mitteilen, dass wir manchmal oder auch öfter auf diese Weise miteinander umgehen; Sternbild-Zwillinge sind halt so.
Mein Zweiter wird bald wieder aufhören zu schmollen. Und ich auch.

Klar war jetzt aber: Die Quetschverbindungen waren ja noch nicht isoliert, und mindestens eines der herumhängenden Kabel bekam wohl Kontakt mit einem Zylinder oder dem Rahmen; daher also dieser Masse- und damit Kurzschluss.

Hätte ich nicht aus Versehen, oder auch aus unbewusster Genialität heraus, den Blinkerschalter in der ON-Stellung gelassen, hätte der Blinker nicht gezwinkert und ich wäre nie auf die Ursache gekommen. Oder hatte da Zweithirni seine Finger im Spiel und schmollte jetzt noch länger als sonst, weil er der eigentliche Genius war?

Also setzte ich mich vorläufig alleine vor's Mopped und begann unter dem Zündschloss damit, die Quetschverbindungen mit Schrumpfschläuchen zu isolieren. Zwischendurch legte ich einige der Kabel, die ich alle auf der linken Arbeisseite drapiert hatte, auf die rechte Seite, um nicht so viel Gewusel zu haben: es sollte ja auch hübsch aussehen nachher!

Bei dieser Aktion musste ich auch viele Kabel kürzen, weil ich ja alle nur provisorisch zusammen gepfriemelt hatte. Die fertigen Stränge umwickelte ich voller Liebe mit Isolierband und fand dabei immer wieder Möglichkeiten zu erneuter Neu- und Umverlegung und Kürzung der noch wartenden Kabel.

Dummerweise nützten mir die hübschen Kabelschläuche gar nichts, die ich besorgt hatte, weil das Gestrüpp sich viel zu oft verzweigte und ich deswegen keine Kabel einziehen konnte.

Leider musste ich diese Sisyphusarbeit schon nach fast drei Stunden abbrechen, weil es urplötzlich duster wurde um erst knapp 19 Uhr. Und ohne Licht in der Garage erschien mir das recht zwecklos, was ich sogar ohne meinen zweiten Typ, der sich seither nicht mehr gemeldet hatte, glasklar erkannte.

Auch etwas anderes unternahm ich völlig selbstständig: Immer wieder kontrollierte ich anhand der Zündung, ob noch alles in Ordnung war!
Ich war richtig stolz auf mich, so ganz alleine...


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Frühjahr 2014

Nun war der Winter vorüber, und es konnte guter Dinge weitergehen! Könnte, tat es aber nicht.

Die ganze Freude über die erfolgreiche Bastelei war den Winter über wieder eingefroren und wollte einfach nicht wieder auftauen! Dennoch überwand ich mich irgendwann und machte mich weiter an die Arbeit.

Seltsamerweise ging alles plötzlich recht leicht von der Hand, nachdem ich meinem Schweinehund intensiv erklärt hatte, dass es so einfach nicht weiter gehen kann: Schließlich läuft die Zweijahresfrist ohne TÜV im September ab, danach würde eine Vollabnahme fällig,  was ich mir niemals leisten könne! Und außerdem waren wir doch alle so stolz, zufrieden und auch positiv eingestellt, dass jetzt endlich alles bald zu unserer Zufriedenheit fertig werden würde! Wir stimmten zu: ich vorneweg, dann meine Zwillingsseele, endlich auch unser gemeinsamer Schweinehund.

Fast ruck-zuck - innerhalb von zwei Tagen - hatte ich es tatsächlich geschafft! Alle Kabel waren fein säuberlich verlegt; wobei ich aber manchmal gehörig ins Schwitzen geriet, weil ab und zu eines der Nummernfähnchen abfiel, die ich zur Kennzeichnung an die jeweiligen Kabelenden geklebt hatte. Dass ein altes schwarz/gelbes Kabel an das neue, dickere rote gehört, ist nicht unbedingt logisch; noch unübersichtlicher wird es aber, wenn dagleich fünf rote Kabel herumbaumeln.

Der originale Kabelbaum umfasst 27 verschiedene Kabel; beispielsweise rot/grün, grün/rot, schwarz/gelb, gelb/schwarz - wobei die erstgenannte Farbe dominiert und die zweite Farbe nur als feiner Strich zu sehen ist. Im Fachhandel fand ich aber nur gleichmäßige Farben wie rot, schwarz, gelb, weiß, grün und blau.

Um das Chaos zu beschreiben, stellt euch bitte mal dieses Szenario vor:

Ein altes Kabelfragment, das vom Lenker aus läuft und nicht reparaturbedürftig war, hat die Farben orange/blau. Irgend jemand hatte zwischendrin ein marodes Teilstück ersetzt durch weiß. Nun könnte man ja annehmen, dass das Ende der Leitung auch wieder orange/blau sein müsse, oder? Weit gefehlt! Wieder irgend jemand, auch dessen Namen hier ungenannt bleibt, hatte irgendwann das marode Endstück im Jahr 1996 erneuert durch ein gerade parat liegendes Stück schwarzen Kabels, von dem unglücklicherweise eine Menge vorhanden war und somit im Lauf der Zeit in weitere Etappen von korridierten Leitungen eingebaut wurde.

Zwar hatte dieser Jemand anfangs im Schaltplan die erneuerten Teilstücke entsprechenden farbig gekennzeichnet, aber es später ab und zu vergessen; das Ergebnis: Der Schaltplan ist völlig für die Katz, denn orange/blau geht über in weiß, wurde zwischendrin teilweise erneuert mit schwarz und rot, eine doppelte Verzweigung erhielt blau und gelb - was halt gerade vorhanden war. Und so weiter...

Irre. Völlig irre und planlos. Dem namenlosen, laienhaften und gnadenlos einfältigen Bastler zu verdanken.

Nun gut; nach der Verlegung kamen die Isolationen dran: Jede Quetschverbindung hatte ich mit Schrumpfschläuchen abgedichtet, sofern es ging; bei Mehrfachverzweigungen musste Isoband herhalten. Dieses Isolationsband habe ich dann auch noch um möglichst viele Kabelstränge gewickelt, die parallel verliefen, um ja nur so wenig einzelne Kabel wie möglich herumhängen zu lassen; wo es ging, habe ich zusätzlich noch Kabelstränge der Länge nach aufgeschlitzt, um die Stränge gelegt und mit Isoband wieder verschlossen.

Eine sehr saubere Arbeit, die mit Sicherheit die Konstrukteure beeindruckt hätte: die bekannte Anfälligkeit der originalen Verkabelung war damit aufgehoben und Korrosion ausgeschlossen, jedenfalls bis etwa in die Mitte des Moppeds. Der hintere Teil würde später drankommen.

Beim Drehen des Zündschlüssels traf mich fast der Schlag: Die grüne Leerlaufkontrolle leuchtete mich hämisch an, ansonsten tat sich nichts. Gar nichts! Überhaupt gar nichts!!

Völlig fertig sackte ich vor der Kawa zusammen; der Schock traf so tief, dass ich nicht mal heulen konnte.

"Nicht schon wieder, bitte nicht!" flehte ich einfach nur.

Und doch war es so. Unerbittlich.

Einige Wochen später erbot sich ein Freund eines Bekannten von mir, mal danach zu sehen. Er war Auto-Oldtimer-Restaurierer, was einen enormen Respekt bei mir hinterließ und auch viel Vorfreude, jedenfalls bei der Ansage meines Bekannten, dass jemand eventuell helfen könnte.

Bei etwas über 50° in der Garage kam aber kaum etwas heraus, denn innerhalb von Minuten schoss uns der Schweiß aus allen Poren. Sein Statement: "Wenn du Probleme mit dem Motor oder dem Getriebe hast, helfe ich dir gerne - aber Elektrik?"
Mannomannomann, wie oft hatte ich das schon in vielen Jahren hören müssen!

Ich zeigte ihm noch, wie ich damals an den Kabel gerüttelt hatte - vielleicht in der Hoffnung, dass der Masseschluss plötzlich wieder verschwand. Stattdessen aber flog aber die Hauptsicherung raus; jetzt ging gar nix mehr, auch die hübsche, grüne Kontrollleuchte nicht.

Er gab mir noch einen Tipp: Ich solle mir einen Durchgangsprüfer besorgen, dann alle tollen Isolationen auf der linken Seite entfernen und stückweise prüfen, ob die Kabelstücke und -stränge durchgängig sind; piepst es, dann ist es okay, wenn nicht, dann halt nicht. Die rechte Seite war ja offensichtlich in Ordnung, wie ich ausprobiert und auch jetzt nochmal beteuert hatte.

Solchermaßen aufgeklärt, aber immer noch am Boden zerstört, besorgte ich mir einen solchen Prüfer, idealerweise in ein Vielfachmessgerät integriert; mein altes Messgerät hatte eh schon länger den Geist aufgegeben.

Ach ja: Meine Befürchtung, dass ich nur noch bis September Zeit hätte, weil dann der Kfz-Brief verfallen würde, teilte er nicht; seines Wissens wurde die Zeit ohne TÜV in der EU angepasst, sie würde länger dauern.
Ein Anruf beim TÜV bestätigte, dass eine Vollabnahme erst nach fünf Jahren fällig ist.

Das hätte ich besser nicht erfahren...

Die Zeit zog sich dahin, ohne dass ich noch einmal einen Fuß in die Garage gesetzt hatte: Zuerst war es ständig zu heiß, dann - ohne dass mir der Übergang recht bewusst wurde - war es plötzlich zu kalt.

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Frühjahr 2015

Irgendwie hatte ich die Kawa verdrängt: Mein schlechtes Gewissen, aber auch gewisse Ängste, dass ich das Teil nicht wieder zum Laufen bringen könnte, zwangen mich zu Umwegen, die ich unbewusst nahm: Die Garage liegt links vier Häuser weiter in einem Hinterhof mit noch sechs anderen Garagen; ich war nicht imstande, diesen Gehweg zu benutzen und stiefelte immer auf die andere Straßenseite, wenn ich mich in diese Richtung begeben musste!

Anfang August 2015: Siedenheiß fiel mir ein, dass ich ja mal einen ehemaligen Kollegen fragen könnte, der mir vor ein paar Jahren schon mal hilfreich zur Seite stand! Und tatsächlich fanden wir auch einen Tag, an dem es nicht so siedend heiß war, Anfang August.

Alain machte sich dran, ohne meine Einwände hören zu wollen, dass ich hier und auch dort doch gar nichts gemacht hatte, da könne es doch gar nicht dran liegen. Seelenruhig prüfte er mit meinem Durchgangsprüfer, wo immer es etwas zu prüfen gab. Dabei musste ich natürlich eine Menge des Isolationsbandes abreißen und auch einige Schrumpfschläuche aufschlitzen, bis Alain auf die Idee kam, den Anlassermagnetschalter zu testen: Beim Überbrücken der beiden Pole mit dem Schraubendreher erschrak er nicht wenig, als kleine Blitze zuckten und der Anlasser plötzlich laut drehte! Ich musste lachen, denn das ging mir immer genau so: Obwohl ich wusste, das es gleich krachen muss, erschrak ich mich jedesmal heftig.

Nach ein paar Tests meinte er lapidar: Da unten kommt kein Strom an! Ich suchte das entsprechende Kabel und verfolgte es über mehrere Farben hinweg: Es führte zum Notschalter am rechten Lenkerende!
Erst jetzt fielen mir zwei Dinge auf: erstens, dass ja die grüne Leerlaufkontrolle wieder freundlich leuchtete, was wohl an meiner letzten Rüttelei der Kabel gelegen hatte. Zweitens, dass ich doch diesen Ausfall kannte, wenn gar nichts mehr geht außer eben dieser Kontrollleuchte: Das war der Fall, bevor ich alle Kabel auf der rechten Seite erneuert hatte, inklusive denen, die zu diesem Killschalter führten, und danach war ja alles wieder perfekt!

Wäre mir das früher eingefallen, statt mich in Verzweiflung sinken zu lassen, hätte ich das mit ein wenig Nachdenken sofort erkennen müssen. Stattdessen bestand ich stur darauf, dass alles funktionierte, nachdem ich den rechten Teil erneuert hatte und der Fehler erst auftrat, nachdem ich mit den linken Kabeln fertig war.

In der Tat waren beide Kabel durch das Gehäuse des Notschalters gequetscht und bekamen Massekontakt! Das lag daran, dass ich ja neue Kabel mit einem größeren Querschnitt genommen hatte und diese jetzt nicht mehr richtig durch den Eingang des Gehäuses passten. Durch das strenge Anziehen des Gehäuses und meine weitere Bastelei, wobei ich häufig an allen Kabeln zog, wurde die Ummantelung zwar nur leicht, aber dennoch effektiv aufgescheuert.

Die beiden Kabelchen etwas angehoben, Zündschlüssel gedreht: Alles in bester Ordnung, alles! Außer mir...
Ich war sprach- und fassungslos über meine grenzenlose Dummheit, weil ich selber darauf hätte kommen müssen. Na ja, ich hatte mich halt total verfahren und verbohrt.

Alain baute die Kabel aus dem Schalter aus, überbrückte sie und meinte, dass ich sie einfach isolieren und irgendwo verstecken sollte, damit sie nicht so frei herumbaumelten.

Okay, jetzt muss ich nur das Gehäuse wieder schließen und die abgerissene Isolation erneuern. Und irgenwann zum TÜV, möglichst noch in diesem Monat!

18. August 2015: Zwei Wochen lang war es brutal heiß, oft bis zu 37°! Keine Chance in der Garage, wo es dann gefühlte - oder echte - 49° hatte. In den drei Tagen danach dann ein Temperatursturz auf bis zu 15° (tagsüber!) mit viel Regen: keine Lust auf Garage.
In dieser Zeit ist mir aber eingefallen, dass Teile, die am Mopped angebaut sind, auch funktionieren müssen. Also sollte ich lieber eine Nut in das Alugehäuse feilen, damit die Kabel durchpassen, und den Killschalter damit wieder funktionsfähig machen.
Aber erst, wenn das Wetter wieder passend ist.

24. September 2015: Heureka! hätte ich beinahe der ganzen Welt zugerufen. Aber halt nur beinah...
Was war passiert?

Nix. Gar nix. Ich fand immer wieder Ausreden, die ich mir selber nicht erklären kann: Entweder hatte ich keinen Bock, weil das Wetter viel zu schön war, um in der Garage zu hocken, oder weil es wieder einmal zu kalt und zu nass war. Oder hatte ich gar alles aufgegeben, weil die Chance bestand, dass dieses verrückte Mopped tatsächlich wieder funktionieren sollte, ich aber nach all den Jahren nicht mehr daran glaubte und eine gewisse Angst hatte?
Vielleicht hatte ich ein überaus schlechtes Gewissen, mir und der Kawa gegenüber, und konnte mich nicht der Realität stellen, aus Ängsten heraus, dass mir wieder einmal ein Schock bevorstehen würde nach unbändiger Freude: zu oft schon hatte ich diese krassen Gegensätze durchleben müssen... Das prägt.

Ich verspreche, dass ich die nächsten Tage in die Garage gehen werde, um die Isolationen der letzten Reparatur zu erneuern, und danach den Tank drauf zu setzen, damit das Teil auch wieder wie ein Mopped aussieht.


Bestimmt kriege ich dann im Frühjahr Lust auf Mopped!!!
Hoffentlich...

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Das Frühjahr 2016 zierte den Kalender, mit echt schönen Bildern; die Lust auf Spaziergänge und Fahrradausflüge wallte auf! Die vielen Moppedfahrer nervten mich allerdings bei meinen doch ach so beschaulichen Ausflügen in die Natur, was selbstverständlich keinem Neid entsprach: Die Motorengeräusche erinnerten mich nur an etwas... Was war das nur?

Ach ja! Mein Mädel wartete in der Garage auf die letztendlichen Kleinigkeiten, damit wir auch mal wieder zusammen eine Tour drehen könnten! Mein Versprechen vom letzten September hatte ich doch glatt irgendwie vergessen...

Eines Freitags meinte mein Nachbar, dass es morgen nicht zu heiß und nicht zu kalt wird, eher lau mit etwas Nieselregen. Das wäre doch DIE Gelegenheit? Es gibt keine Ausreden!

Er hattet recht: Ich fand verdammtnochmal keine Ausreden, nicht mal während gut vier Stunden dösend auf der Couch (mit Unterbrechungen allerdings). Seine Worte aber haben mich schließlich aufgepeitscht!

Mein Mopped habe ich an diesem Samstag wieder zusammengebaut... Viereinhalb Stunden habe ich rumgebastelt und es bis auf einige Kleinigkeiten geschafft: Zwei Kontrollleuchten gingen  immer noch nicht, ebenfalls die Hupe; aber das würde den TÜV bei der Harley-Werkstatt nicht stören, wie ich aus Erfahrung wusste, ebenfalls nicht die fehlende Seitenständersperre. Alle Kabelstränge waren perfekt isoliert und sahen richtig gut aus, auch das blöde Gehäuse des Kill-Schalters hatte ich so weit ausgefeilt, dass die Kabel endlich durchpassen, ohne gequetscht zu werden. Klappte gut, und ich baute diesen Notaus-Schalter wieder zusammen.

Jetzt fehlt nur noch der Vorderreifen! Und Ölwechsel. Und neue Zündkerzen.

Eine völlige Überraschung: Als ich den Tank montierte spürte ich, dass noch gut ein Liter Sprit drinne war... Uralt zwar, aber sicher noch gut genug, um damit an die Tanke zu rollen. Es entfiel also die bisher vergeblich Suche nach jemand Altmodischen, der noch einen Erstatzkanister sein eigen nannte.

Eine weitere Überraschung traf mich in Form einer Mail: Ein Moppedfahrer aus Ludwigshafen war über diese Geschichte meiner Kawa gestolpert und hatte sie komplett durchgelesen! Ich dachte, dass dieser Mensch eine masochistische Ader haben müsse, sich die ganze Story einzuverleiben...

Es stellte sich heraus, dass er eine ähnlich alte Maschine fuhr und sich in meine Situation sehr gut hineinversetzen konnte: er hatte ebenfalls sehr viele Probleme mit seinem Bock, diese aber doch letztendlich aber alle gemeistert.
Was mich aber völlig umhaute: er bot mir seine Hilfe an, was mich echt aus den Socken lupfte!

Bei einem kurzen Treff stellte Peter mir seine neue Ducati vor, die er neben der alten Maschine vorwiegend fuhr: darüber erzähle ich aber lieber nichts, da ich sonst vor lauter Schwärmerei einer perfekten, modernen Maschine meine eigene vergessen würde...

Eine Visite meines Moppeds verleitete ihn zu der Aussage: "Das kriegen wir hin, wenn du nichts dagegen hast!" Meine Kinnlade knallte dabei auf meine Kniescheibe; keine leichte Übung.

Die ersten beiden Bastelstunden verliefen schon recht erfolgversprechend, weil ich spürte, dass Peter eine Ahnung von dem hatte, was er uns versprochen hatte. Und, ganz toll, er werkelte nicht nur einfach vor sich hin, sondern versuchte, mich in die Geheimnisse der Elektrizität einzuführen!

Seitdem weiß ich, dass ein Stromfluss und ein Wasserfluss sich im Prinzip ähneln: beide kommen irgendwo raus, und beide müssen irgendwo wieder abfließen.
Wasser kann dabei zum Beispiel auf diesem Weg eine Mühle antreiben, Strom ebenfalls; wenn auf dem Wasserabflussweg ein Staudamm entsteht, bleibt die Mühle stehen, weil der Wasserfluss gestört ist, sich also die Wasserenergie keinen Abflussweg mehr bahnen kann; schlimmstenfalls säuft die ganze Mühle ab.
Wird der Abfluss des elektrischen Stroms behindert, der sich über eine Erdung oder einen Minuspol vollziehen muss, bleibt der Elektromotor der Mühle bestenfalls einfach stehen, oder aber er gibt Rauchsignale von sich...
Wasser und Strom müssen also irgendwo hin abfließen können, ansonsten gibt es Überschwemmungen oder Kurzschlüsse bzw. nicht funktionierende Teile einer Gesamtanlage.

Blöd bei bdiesen Energiequellen ist leider, dass sie sich untereinander gar nicht vertragen... *grins


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Der Samstag, 20. August 2016 gilt als denkwürdigster Tag der Geschichte meiner Kawasaki Z650 B1!


Peter zwang mich am Vorabend dazu, mich um acht Uhr morgens in der Garage einzufinden für die letzten Arbeiten. Er würde sein Auto mitbringen mit Werkzeugen und Überbrückungskabel, weil meine Batterie den Geist aufgegeben hatte. Ich sollte mitbringen: Zuversicht, Jacke und Helm für eine Testfahrt!


Sein Zwang, der sicher aus meinen bisherigen Ängsten geboren war und mir aus seiner eigenen Zuversicht heraus einen gewaltigen, hoffnungsvollen Tritt geben sollte, bescherte mir aber eine üble Nacht:

All die Stauungen, die sich in den vielen Jahren aufgebaut hatten, konnten nicht frei abfließen wie Wasser und Strom, obwohl doch Freude herrschen sollte! Die Dämme waren zu hoch; ich versuchte krampfhaft, irgendwelche Ausreden zu finden.

Aber die Tatsache, dass ein völlig fremder Mensch in mein Moppedleben trat und uns beiden - Mädel und mir - selbstlos unter Räder und Arme greifen wollte, gab mir einen enormen Ruck: Um halbfünf Uhr morgens, weil ich eh nicht mehr schlafen konnte wegen eines Alptraums, polierte ich meinen Helm, der danach seine ursprüngliche Farbe zeigte: der Staub der Jahre war weggewischt; damit auch die Ängste dieser vielen Jahre?
Ich muss in die Garage, egal, wie schlecht mir ist wegen dieser üblen Nacht, die nur rund vier Stunden Schlaf bescherte: Ich darf diesen tollen Menschen nicht enttäuschen!

Peter arbeitete äußerst gewissenhaft etwa  dreieinhalb Stunden lang; er vergaß auch nie dabei seine Erklärungen, was er und warum er es machte.


Als wolle er sagen: Dich krieg' ich auch noch, du Fehlerteufel!

   
Dummerweise vergeudeten wir enorm viel Zeit damit, die Ursache für den fast totalen Stromausfall zu finden.
Mir kam plötzlich die Idee: Es hatte alles funktioniert, bis ich den Notausschalter wieder zusammengebaut hatte! Also: Rückbau. Und siehe da: fast alle Probleme gelöst, weil dieser Killschalter sich beim erneuten Ausbau im Inneren in groben Staub auflöste... Ein Satz dazu aus dem Kawa-Handbuch: 'Dieser Schalter bedarf keiner Beachtung bei den Inspektionen.'
Mag sein! Nur hat wohl kein Ingenieur dabei bedacht, dass die Zeit an sich so ziemlich alles zerbröseln lässt.

Also die beiden Kabel überbrückt, in das Gehäuse gepfriemelt, und alles war gut. Bis halt auf die Tatsache, dass der Notschalter nicht funktionierte. Das sei aber kein Problem, meinte Peter, kein Prüfer habe jemals probiert, ob das Ding intakt ist.

- Einschub:

Wozu ist dieser Killschalter da? Nun, er killt die Zündung und große Teile der Elektrik, was heißt, dass wichtige Stromflüsse unterbrochen werden, damit im Falle eines Abfluges dem Mopped keine Widerwärtigkeiten zustoßen sollen. Nur die Lichter bleiben an, damit dein Mopped des Nachts auch gefunden werden kann neben der eigentlichen Straße, und ebenfalls du selbst, der du wahrscheinlich in der Nähe der Maschine liegst
.

Ich frage mich dabei, ob ich während eines unfreiwilligen Absteigens, weil mir zum Beispiel ein Reh die Sicht auf die nächste Kurve versperrt, ich also tatsächlich daran denken würde, diesen Notaus-Schalter mit dem rechten Daumen zu betätigen, während Mopped und ich über das arme Reh hinwegfliegen...

- Einschub Ende -

Peter fand bei seiner Arbeit Fehler, die viele Jahre unentdeckt geblieben waren, und er konnte sie ausmerzen! Ich stand oder saß einfach nur mit offenem Mund daneben und konnte die Wunder einfach nicht fassen, die da meinem Mädel angetan wurden!

Einmal ging ich zurück in die Garage, um das Werkstatthandbuch zu holen: ein kleiner Schrei entfuhr mir! Der hintere Teil stand voller Sprit! Als ich den Tank wieder ausgebaut hatte, damit Peter besser an die Elektrik herankam, hatte sich beim Ablegen auf dem niedrigen Tisch der Benzinhahn ein wenig geöffnet: im Tank konnten jetzt höchstens noch ein paar Schlucke Benzin drinne sein...
Der Lack des Garagenbodens war schon wellig, und zu allem Übel kroch der Sprit auch über die Grenze zu meinen Untermieterinnen, die auf der linken Seite ihre Schätze für Flohmarktverkäufe in Kartons stapelten... Die würden sicher nicht erbaut sein, wenn ihr Zeugs nach Benzin riecht.

Wenig erbaut waren auch meine Schuhsohlen aus Kunststoff: sie pappten ein wenig auf den trockenen Stellen im Vorderteil der Garage und auch auf dem Boden davor, wo Peter und Mopped am Arbeiten waren. Immerhin wurden sie aber nicht bis zu den Socken aufgelöst.

Zwischenzeitlich besorgte ich in einem nahegelegen Autozubehör eine neue Halogenlampe, weil die alte einen Wackelkontakt hatte (war mir bisher nie aufgefallen...). Eine neue Batterie nahm ich auch gleich mit. Komischerweise kam es mir so vor, als ich die Batterie auspackte, dass sie irgendwie nicht passen würde... Testen konnte ich das aber nicht, weil Peter die alte Batterie zum Überbrücken brauchte und es außerdem wichtiger war, die Maschine jetzt endlich zum Laufen zu bringen.

Ach ja, der Vorderreifen: Erstens bekamen wir die Muttern der Achse nicht auf, zweitens meinte Peter, dass das Profil noch knapp durchgehen könnte, wir sollten es einfach probieren.

Wichtig ist auch noch, dass TÜV oder DEKRA den Seitenständer beanstanden würden, dessen Sperre schon ewig nicht mehr funktionierte. Ich hatte deswegen diesen Seitenständer jedesmal vorher abgebaut, die dazugehörige Elektrik schon vor vielen Jahren.

Erklärung dazu:
Ein Seitenständer muss entweder verhindern, dass bei ausgefahrenem Zustand der Motor anspringt, oder aber sofort einklappen, wenn das Motorrad in die Senkrechte gebracht wird. Grund: Steht dieses Teil ab und du nimmst eine Kurve, kann es dich mitsamt Mopped ganz schön beuteln!

Peter fand eine prima Lösung: Die große Feder, die Richtung Fuß zeigt, oben hinten eingehakt, wo mal die Sperrre drin war; die Zugkraft ist damit größer. Die kleinere, querliegende Rückholfeder durch Umknicken einer der beiden Einhakenden verkürzt, so dass auch diese Feder mehr Spannung hat. Hebe ich das Mopped an, schnalzt der Ständer komplett zurück!

Zugegeben nur eine Lösung für die Dekra (wo der Prüfer auch schon sehr früh diese Funktion testete!), aber für das echte Leben wenig geeignet:
Beim Absteigen rastete vorher der Seitenständer nur ein klein wenig vor der exakten Stellung ein wenn ich ihn mit der Ferse ausfuhr, und ich musste ihn danach nur noch ein wenig mit der Fußspitze nach vorne antippen, bis er das Mopped gut halten konnte. Dieses kleine Einrasten fehlte so enorm, dass die Gefahr des Umstürzens ganz erheblich war: gerade wenn man so kurze Beine hat wie ich, war ein genaues und sicheres Positionieren und Festhalten des Ständers kaum möglich.
Beim Aufsitzen ergaben sich ähnliche Probleme: Kaum hievte ich das Mopped um ein halbes Grad, schnalzte mir der Ständer an den Fuß und drohte sich in Hose oder Schnürsenkel zu verhaken.

Ach ja, die Hupe noch: deren Ton hatte ich seit vielen Jahren nicht mehr gehört! Es hatte den TÜV bei der Harley-Werkstatt nie sonderlich gestört - den überhaupt nie was störte -, ich bekam immer nur den Eintrag auf dem Prüfbericht 'Hu.o.F.'

Auch früher, als das Ding noch Töne von sich gab, hatte ich keine Verwendung dafür, es ergab sich keine Situation. Bis auf ein Mal:
Ich stand in der Stadt an einer Ampel, die Straße war leicht abschüssig, hinten runter. Das Auto vor mir begann zu rollen, weil der Fahrer des Automatikwagens den Fuß von der Bremse nahm.
Somit kam mir die Heckstoßstange immer näher... Mein Daumen rutschte glücklicherweise in seiner Verzweiflung vom Hupknopf ab und betätigte die Lichthupe! Nur wenige Zentimeter lagen noch zwischen meinem Vorderrad und der starken Stoßstange, als der Fahrer (oder in dieser Situation eher: der Rückroller) reagierte...

Was macht man landläufig, wenn eine Hupe nicht das tut, wofür sie gedacht ist? Nun, man kauft eine eine neue und schmeißt die alte auf den Müll. Peter aber schmiss die Hupe auf den Boden, klopfte noch ein paar Mal mit einem Schraubenzieher auf die Membrane, schloss das Ding wieder an und hupte. Ganz normal, mit einem Hupton, der mir weit entfernt bekannt vorkam.
"Hä? Wie das?" - "Hatte ich bei meiner Honda auch mal, war ein Zornesausbruch..."

Inzwischen hatte es angefangen zu nieseln. Unsinnigerweise hoffte ich, dass der Regen schlimmer werden würde, um der Fahrt zur Dekra zu entgehen... Was mich dabei ritt, kann ich nicht erklären: wahrscheinlich saßen die vielen üblen Erfahrungen immer noch zu tief, obwohl ich doch anhand dieser tollen Erfolge heute überhaus positiv eingestellt sein sollte!

Übrigens war diese Fahrt zur Dekra gar nicht eingeplant; wir wollten zwar die Elektrik in Ordnung bringen, aber da ich davon ausging, dass zuerst ein neuer Vordereifen aufgezogen werden müsse (was Peter ja entschlossen als nicht notwendig abtat), war ich doch überaus überrascht, dass ich schon jetzt auf das Mopped steigen müsse!

Tja, und dann kam der Moment, den ich kaum erwarten konnte: der erste Startversuch.
Wie sollte es anders sein? Er klappte nicht! Natürlich nicht.

'Idiot'! schimpfte ich mich selber. 'Das Mopped steht schon ewig, lass dem Motor etwas Zeit, damit er kapieren kann, dass er noch lebt! Zeige Optimismus, du Depp!'

Das Leiern des Anlassers hallte zwischen den Garagen zurück an die Hausmauern, von dort durch das gesamte Karree der den Hof umgebenden Häuser. Ich blickte ängstlich hoch zu den vielen Fenstern, weil ich erwartete, dass bald der erste Ziegelstein geflogen kam - oder noch schlimmer, mein Vermieter: Er hatte mich schon ganz am Anfang der Übergabe gebeten, dass ich das Mopped zum Warmlaufen auf die Straße schieben sollte, weil es hier schallt wie Donnerhall. Wenn ich das aber sehr genau nehmen würde, dann handelte es sich ja nicht um das Warmlaufen des Motors, sondern um minutenlanges Krachen der Startversuche! *grins*
Trotzdem war mir äußerst unwohl... Zu Hause denke ich ja auch immer an die armen Nachbarn, wenn ich mal meine Musikanlage aufdrehe.

Nach etwas Zufuhr von Starthilfespray in den Luftfilter, das direkt in die Vergaser gesogen wurde, kamen die ersten zaghaften Herztöne! Und kurz danach die Erlösung: die Maschine brummte!!!
Unfassbar... Gänsehaut durchfuhr mich, Glücksgefühle zogen über meine Haut... Oder war es umgekehrt?

Tatsächlich mussten wir jetzt aber den Wunsch des Vermieters ignorieren und das Mopped doch warmlaufen lassen; Peter bestand darauf, dass wir noch zur Dekra fahren, kurz vor knapp!
Seinem Blick, der aus einer Mischung von Forderung und Freude bestand, hatte ich kein Argument entgegenzusetzen; im Gegenteil war ich dankbar für seine Bereitschaft, auch diese Hürde gemeinsam mit Mädel und mir nehmen zu wollen. Echt klasse Typ; hatte ich das schon erwähnt?

Während ich mir Jeansjacke und Helm überzog, dachte ich, dass ich spinne: Peter spritzte die Maschine mit einer geschüttelten Plastikflasche Minerwalwasser ab und wischte mit einem Filztuch nach... "Macht einen besseren Eindruck!" meinte er grinsend. Ich freute mich riesig über diesen so lieben Einfall.

Jetzt drängte aber die Zeit!

Mit Reifen, die nur noch weniger als die Hälfte Druck in sich hatten, kriegte ich kaum die Kurve aus der Garagenausfahrt auf die Straße: Es fühlte sich an, als ob ich zwei Gymnastikbälle unter mir hätte! Dennoch war der Weg zur Tanke eine Offenbarung: Ich zog vorsichtig am Gas, und das Mädel zog mit... Auf einer kurzen Geraden, vielleicht zweihundert Meter, zuckte es plötzlich ohne mein Zutun in der rechten Hand, und wir flogen regelrecht bis zur Kurve, die zur Tankstelle führte. Manno, was für ein Gefühl...

An der Tankstelle war kaum Luft in der Anlage, weil sie ein Vorgänger verbraucht hatte, so dass es für hinten und vorne gerade mal 1,5 bar langte, jeweils natürlich. Aber das reichte: besser als 0,9! Peter drängte: nichts wie ab jetzt, es wird sehr knapp!

Es war 12 Uhr 10, als wir ankamen. Der Ingenieur meinte, dass schon geschlossen sei... Während er sich eine Zigaretter drehte, versuchte Peter, ihm unser Dilemma zu erklären: Sie wissen doch, wie diffizil Elektrik sein kann, ich habe gestern und heute Stunden um Stunden gebraucht, um all die Fehler zu finden, weil er (womit er mich meinte) sich damit überhaupt nicht auskennt und deswegen schon drei Jahre den TÜV überzogen hat und außerdem und sowieso... Und jetzt ist aber alles in Ordnung, wir sind halt etwas spät dran, weil das letzte Problem etwas kniffliger war, und überhaupt...

Ich konnte gar nichts dazu sagen, machte nur ein überaus bedröppeltes Gesicht; was mir in dieser Situation überhaupt nicht schwerfiel.

Der Prüfer warf seine Kippe in den Ascher vor der Tür und meinte: Na, das sollten wir noch hinkriegen...
Ob ich erleichtert dreinschaute, weiß ich nicht, da müsst ihr Peter fragen.

Etwas über zehn Minuten später kriegte ich den Stempel hintenreingedrückt, besser gesagt, meine Kawa in ihr Kennzeichenschild!!!

Und als krönenden Abschluss bekam ich während der Stempelei noch diesen Satz vom Prüfer zu hören: "Schönes altes Teil!" Ich denke nicht, dass er dabei das Nummernschild meinte.


   
Ach ja, zu den Reifen machte der Prüfer noch folgende Anmerkungen: "Vorne ist knapp an der Grenze; hinten zwar noch genügend Profil, aber das Alter... 2003 ist eine Weile her! Sehen Sie zu, dass der baldmöglichst gewechselt wird; hat der überhaupt noch Haftung?"  Ich: "Ja klar, solange es geradeaus geht... In den Kurven sorgt er aber schon ab und zu für einen Adrenalinausstoß..."
Lachend zwar, aber doch mit erhobenem Zeigefinger ermahnte er mich noch einmal zum baldigen Wechsel, und damit ich es ja nicht vergessen würde, schrieb er mit Hand in den Prüfbericht "Alter Reifen beachten!" Wenn er noch ein Komma dazwischen gemacht hätte, wäre es noch deutlicher ausgefallen: "Alter, Reifen beachten!" *grins

Kurz danach konnte ich nicht anders, ich musste Peter kurz um den Hals fallen, nicht ohne dabei etwas Feuchtigkeit in den Augen zu zerquetschen...
Ich spürte, ja, ich weiß, dass sich Peter ebenso freute wie ich.

Am Abend diese Mail an meinen Retter:

>>Ich kann es immer noch kaum fassen!

Den Rückweg in die Garage hatte ich völlig unbewusst ausgedehnt, ließ dem Mädel etwas freien Lauf: es freute sich genau so wie ich über diesen Ritt im Nieselregen!

Natürlich mussten wir uns herantasten, nach so vielen Jahren... Und das ist auch noch lange nicht abgeschlossen! Die wenige Luft in den Reifen tat ein Übriges dazu, und das war bestimmt gut so: möglicherweise hätten wir es vor lauter Freude übertrieben!

Es war ein unglaubliches Gefühl, die Maschine zu hören, zu riechen, zu spüren mit jeder Faser...

Schon kurz nach der Abfahrt aus der Dekra waren wir wieder wie alte Freunde, die sich aber nach langer Zeit erneut entdecken müssen, um keine Fehler zu begehen; sich quasi an alte Zeiten behutsam herantasten müssen und wollen.

Zurück in der Garage versprach ich, dass wir jetzt nie wieder irgendwelche blöden und undurchschaubaren Probleme haben würden! Nie wieder werde ich meinem Mädel misstrauen, dass es mich im Stich lassen könnte. Und nie wieder werde ich selbst Angst haben, dass ich enttäuscht werde...

Und wenn doch irgendwann Zwistigkeiten auftreten würden, dann gäbe es einen, den wir sicher um Rat und Tat bitten dürften...

Lieber Peter, ich bin nicht sicher, ob du wirklich erfassen kannst, was du getan hast! Meine kurze Umarmung war ein spontaner Ausbruch von Dankbarkeit und Glück; aber ich frage mich sehr beschämt, wie und was ich zurückgeben könnte für das, was du mir 'angetan' hast...

Überaus glückliche Grüße

Norbert

P.S.: Ob ich jemals die Angst rauskriege, dass beim nächsten Besuch in der Garage die schöne Lady doch wieder zickt, oder mich gar bei einem Ausflug wieder eimal stehen lässt?
Gut 25 Jahre negative Erfahrungen fräsen sich tief ein; trotz der schönsten "Erfahrungen" im wahren Sinne des Wortes, die wir erlebt hatten. <<

____________

Es ist unfassbar, dass ein völliger Fremder Mensch, der zufällig über diese Story gestolpert war, es sich antat, uns helfen zu wollen.

Hier ein Auszug aus seinen Mailantworten auf meine Lobreden, die ich ihm schreiben musste; seine Worte sind selbsterklärend:

>>...
Mensch Norbert, das geht ja runter wie Öl,  was du da schreibst!!!
...

Ich erwarte keine Gegenleistung, weil ich mich genauso gefreut habe wie du, dass ich es geschafft habe die alte Dame wieder zu beleben.

Schließlich steckt auch in mir ein Ego das befriedigt sein will und deshalb hatten wir beide einen tollen Tag, wenn auch mit miesem Wetter.

Eines musst du mir noch versprechen: - steck nie mehr den Kopf in den Sand, wenn dein Moped nicht so will wie du! Vielleicht überträgst du deine Angst und negativen Gedanken auch an dein Moped? und dann ist auch deine alte Dame negativ eingestellt ;-)

Falls es wieder zu Problemen kommt, ruf mich einfach an oder schreib mir.
<<

______________

Auf eine gewisse Weise war ich erleichtert, dass nicht alles so ballrund lief, denn sonst wäre es ja schon wieder bedenklich gewesen, ohne irgendwelche Pannen:

Benzin auf dem Garagenboden, wo es definitiv völlig nutzlos ist; äh, was sonst noch? Nix mehr sonst? Das gibt es doch nicht!

Na ja, außer der Batterie noch: Am Wochenanfang trug ich sie zurück. Der Hammer, den ich nicht bemerkte: Außen hui, innen pfui! Warum? In der Verpackung steckte eine völlig andere Batterie... Zum Glück hatte ich die noch nicht befüllt! Umtausch und gut war's.

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Mittwoch, 24. August

Bewusst ließ ich das Mädel ein paar Tage in Ruhe. Ich wollte testen, wie das mit dem Anspringen sein wird, das ich ja aus vergangenen Jahren in nicht besonders guter Erinnerung hatte.
Und tatsächlich: Es halfen nur ein paar Sprühsalven dieses explosiven Gemisches "Startpilot" in den Luftfilter, der das Zeug in die Vergaser beförderte und dort zusammen mit dem Benzin-Luft-Gemisch die Zündkerzen dermaßen ermutigte, die Zylinder zur Arbeit zu treiben.

Das alte Problem also...

Es schien wie schon gestern recht heiß zu werden, weshalb ich mich schon gegen 10 Uhr auf die Reifen machte: mein erster echter Ausflug nach fast genau vier Jahren! Am 9. August 2012 verweigerte die Kawa ihren Dienst, abends um etwa 19 Uhr; so steht es geschrieben.


Ich wusste, dass dieser Ritt nicht lange dauern kann, Genick und kürzlich operierte rechte Schulter streikten bestimmt bald; aber ich musste raus!

Ludwigshafen ist von vielen Dörfern umgeben; ja, schon innerhalb des Stadtgebietes gibt es ländliche Gebiete, und genau diese zogen mich an. Felder, dörfliche Vororte und Dörfer gleich hinter den Stadtgrenzen verströmten Gerüche, die ich schon so lange vermisst hatte... Die Aussichten, die schmalen Straßen mit ihren Kurven, das Brummen meiner Maschine - ein Traum! Und kein einziger Gedanke, dass etwas mit der Elektrik passieren könnte!

Ich ließ es recht ruhig angehen, nur hin und wieder juckten mich Kurven dermaßen, dass ich nicht widerstehen konnten, sie in alter Manier zu räubern. Aber diese alte Unbekümmertheit war noch längst nicht wieder da: Statt das Mädel laufen zu lassen, drückte ich es krampfhaft in die Ecken und auch wieder heraus! Von Lockerheit und Sicherheit keine Spur; aber das ist ja auch kein Wunder nach so langer Zeit.

So wie diese wunderbaren "Erfahrung" durch die Natur mit Feldern links und rechts meine Seele aufgehen ließ, so verkrampfte sich mein Körper aber immer wieder in kurvenreichen Gegenden, die mich in guten Zeiten so magisch anzogen und durch die mein Mopped wie auf Magnetbahnen gezogen pflügte.

Aber immer wieder jauchzte ich vor lauter Freude! Mein Jethelm erlaubt mir ja eine enorme Rundsicht, ganz anders wie ein Integralhelm; auch die Luftzirkulation trug zu dieser Art von Freiheit bei, die eingezwängter Kopf nie so erleben kann. Nur auf der Schädeldecke machte sich die Hitze bemerkbar, und auch nur deswegen so stark, weil ich vergessen hatte, die Lüftungsschlitze zu öffnen.

Auf dem Rückweg probierte ich noch einige Autobahn-Auf- und -abfahrten aus, die ich früher immer zum Warmfahren geräubert hatte und die relativ dicht beieinander lagen: kaum zwei Kilometer ging es auf dieser Autobahn geradeaus bis zur nächsten Abfahrt; ein kurzes Stück mit zwei Ampeln stoppte den Fluss, bis die nächste Zufahrt kam mit ihren herrlichen S-Kurven... Und das alles dreimal hintereinander! Da kann man schon in einen Rausch geraten... Was mir auch passierte:

Reinstechen in die Kurven, kurz vor dem Einbiegen auf die Autobahn schon mitten in der Zufahrt den Gashahn aufreißen, hochschalten, am Hahn drehen wie verrückt, den enormen Vorwärtsdrang am liebsten nie enden lassen wollend; das freudige Brüllen der Maschine hören und vor allem im ganzen Körper spüren; Blinker setzen, hart abbremsen und wieder Reinstechen in die Abfahrt, dabei die Kurve ausreizen bis zum Gehtnichtmehr... Und immer noch das Gras und die Biotope riechen, die in solchen Ecken gerne angelegt werden.

Ein echt irrer Tag im positiven Sinn, der fast 50 km und dabei gut eineinhalb Stunden dauerte...

Auf dem Rückweg konnte ich kaum mehr die Kupplung ziehen, die Kraft in den Fingern hatte einfach versagt, ich musste den kompletten Arm dazu benutzen.
Die Muskeln des rechten Unterarms waren brockenhart wegen des ständigen Zugriffs der Hand am rechten Lenkerende, mein Genick jammerte genauso wie meine rechte Schulter, die nach der OP immer noch nicht ganz ausgeheilt war.

ABER, und das ist wesentlich wichtiger: Ich war glücklich...


- Einschub:

Ja, liebe Autofahrer: Viele von Euch halten uns für verrückt - was viele Motorradfahrer leider auch sind in ihrer oft unverantwortlichen Raserei. Aber solche Gefühle werden Euch für Immer verwehrt bleiben; auch die Gefühle, die uns einfach nur durch die Gegend gondeln lassen, viel intensiver an und nährer in der Natur, als es in einem Autofahrer jemals möglich wäre. Wir spüren auch die Straße in unserem Körper, wir sind Eins mit ihr, ja, wir müssen es sein: ein schlechtes Wegstück, auch wenn es noch so kurz ist, kann bei unbedachter Fahrweise direkt ins Nirwana führen...

Liebe Autofahrer, bitte bedenkt bei diesen Schilderungen auch, dass Motorradfahren wesentlich mehr Sinne beansprucht als Autofahren, und diese Sinne auch wesentlich stärker einbezogen werden müssen. Zwar denken viele immer noch, dass ein Handyanruf in der Stadt nicht schaden kann, aber er lenkt dennoch ab!

Wir Moppedfahrer müssen in uns haben, dass es noch wesentlich mehr Ablenkungen geben kann, außer auf die Straße zu achten: Eine Fliege oder Wespe auf dem Visier oder gar am Hals? Bewegung der Beifahrin? Jede Bewegung, auch die des Fahrers, wirken sich auf das Fahrverhalten aus, ebenso wie jede Bö oder ein plötzlicher Windschatten, der durch ein vorausfahrendes Fahrzeug verursacht werden kann. Hunderte Sensoren müssen bei uns ständig aktiv sein.

Wenn Sie also mal wieder einen Motorradfahrer sehen, der unverhältnismäßig auffällt, zum Beispiel wegen Raserei, dann sagen Sie bitte nicht: "Der ist wohl von Sinnen!" Er hat nämlich mehr Sinne als Sie, ist aber schlichtweg irre, verrückt, duchgedreht und gehört aus dem Verkehr gezogen...

Danke für Ihr Einsehen.

- Einschub Ende -

 - Noch ein Einschub, ein unglaublicher!

Nach meiner Schulter-OP wartete ich mehr als sechs Wochen lang vergeblich, dass sich die Probleme endlich besserten nach der Entfernung größerer Verkalkungen.
Meine Schmerzen und die damit verbundene eingeschränkte Beweglichkeit trieben mich wieder zum Doc: Nach einer Röntgenaufnahmen war klar, dass das Krankenhaus Schluder getrieben hatte; fast die Hälfte dieser Verkalkung war noch da, eine erneute OP würde nötig sein!

Was mir anfangs nach den beiden Motorradtouren gar nicht aufgefallen war und ich erst wirklich durch diesen Satz eines Freundes bemerkte: "Was ist los? Du beschreibst deine Erzählungen mit beiden Armen,ohne dass du schmerzlich zusammenzuckst?"

In der Tat! Wie ist es möglich, dass man erstens einen ständigen, manchmal sogar überaus heftig auftretenden Schmerz plötzlich vergessen hat, der einen eigentlich immer quälte und behinderte?
Und zweitens: Warum waren Schmerzen und Behinderungen so gut wie weg, nach diesem relativ kleinen Motorradausflug von knapp eineinhalb Stunden?

Mein Orthopäde wird staunen und mir vielleicht eine Erklärung geben können in drei Wochen beim nächsten Termin. Oder er staunt und wundert sich ohne Erklärungsmöglichkeit... Ich werde es euch erzählen, nach dem Termin am 22. September.


 - Noch ein Einschub, ein unglaublicher! - Ende


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Donnerstag, 25. August

Sauber, sehr sauber! Oder eigentlich das Gegenteil...

Am Morgen fiel mir auf, dass mein Fingerring nicht auf seinem Platz lag, ein Erinnerungstück, das ich seit gut 15 Jahren am kleinen Finger der rechte Hand trage. Panik, ich fand diesen Ring nicht!

Dann fiel mir glücklicherweise ein, dass mir das ja schon öfter passiert war, früher, als mein Mopped noch lief: Dieser Ring blieb einfach im Handschuh stecken...

Also nix wie ab in die Garage, wo Helm, Nierengurt, Halstuch und Handschuhe in einem Regal liegen.

Schock, als ich die Garagentür hochklappte: Es stank nach Benzin, schon wieder!!!

Ich hatte offensichtlich beim Parken den Benzinhahn nicht hundertprozentig geschlossen, er stand vielleicht nullkommawasweißich daneben.

Die Benzinlache war aber nicht so dramatisch wie ein paar Tage zuvor, die Überlaufschäuche der Vergaser hatten offensichtlich nur getröpfelt. Aber: Wäre mein Ring nicht im Handschuh stecken geblieben, wäre ich erst wohl wieder einige Tage später in die Garage gegangen! Spätestens dann, wenn mich mein Vermieter angerufen hätte mit dem ach gar nicht so freundlichen Hinweis, dass Sprit aus meiner Garage in seinen Hof rinnt...

Aber frohe Nachricht!

In der Tat steckte der Ring in meinem Handschuh, obwohl ich den öfter ausgezogen hatte während meiner Tour: Das liebe Stück hätte also nicht nur schon früh an der Tanke verloren sein können, sondern auch in Ruchheim oder Maxdorf beim Naseputzen bei einer kleinen Rast...

Noch eine gute Nachricht:

Der Sprit flutete nur die Vergaser, die Zylinder waren glücklicherweise trocken geblieben, wie ein Zündkerzentest bewies.

Montag, 29. August: Zaghafter Versuch: Der Motor sprang nicht an...  Natürlich nicht, das hatte er ja schon immer verweigert nach mehr als etwa fünf Tagen Ruhe.

Ich wollte kein Startpilot verwenden wegen dem Krach, den die Maschine mit hoher Drehzahl beim Anspringen verursacht. Wieder einmal mit hängenden Schultern schlich ich zurück...
Dabei gingen mit die Worte von Peter von vor ein paar Tagen durch den Kopf:  Na, dann kommst du mal zu mir und wir bauen die Vergaser auseinander!

Anfang September: Ich hatte meine Probleme in einem Forum geschildert, das ich im Kopf dieser Seite unter LINKS erwähne. Die guten Tipps werde ich in nächster Zeit ausprobieren; die Leute dort sind echt sehr nett und hilfreich!

Ende November, eine Zusammenfassung: Die Diskussionen und Tipps in diesem Forum zogen sich fast endlos hin, mit dem Ergebnis, dass ich alles schon ausprobiert hatte in diesen vielen Jahren! Frustriert meinte ich dort, dass es keinen Sinn hat: Diese Baureihe hat es wohl in sich, so zu reagieren (oder eben nicht), wie schon in alten Testberichten zu lesen war.

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Wird  ständig fortgesetzt, wahrscheinlich weit über das Rentenalter hinaus...
Wobei die Kawa diesen Oldie-Status schon längst erreicht hat mit ihren inzwischen 39 Jahren!